Direktvermarktung im Kreis Siegen-Wittgenstein
"Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah..."

Bauernmarkt am Tag der Siegerländer Landwirtschaft in Ferndorf
Unter diesem Motto wirbt die Kreisbroschüre "Gutes vom Lande" für die landwirtschaftliche Direktvermarktung von 24 Höfen im Kreis Siegen-Wittgenstein. Auch im gastronomischen Wegweiser "Zwischen Rubens & Landluft" erkennen die Verbraucher das regionale Angebot, das die Kooperation zwischen Landwirtschaft und heimischer Gastronomie seit Jahren anbietet. Beides ist Ausdruck dafür, dass der Kauf von Nahrungsmitteln sich ganz allmählich zu einem Vertrauensthema entwickelt, wobei diese Entwicklung aufgrund der derzeitigen politischen Diskussion nach dem ersten BSE-Fall in Deutschland sicherlich beschleunigt weiter gehen wird.
Neben diesen 24 Betrieben sind knapp 50 weitere Bauernhöfe laut der einzelbetrieblichen Beratung der Landwirtschaftskammer kreisweit an der Direktvermarktung interessiert bzw. setzen mehr oder weniger selbst erzeugte Nahrungsmittel direkt ab, so dass der Anteil der direktvermarktenden Betriebe im Kreis Siegen-Wittgenstein bei ca. 5-6-% liegt. Der Schwerpunkt liegt in dieser Grünlandregion - und klimatisch bedingt - beim Rindfleisch- und Wurstwarenangebot. Wobei aber auch Siegerländer Kartoffeln, Geflügel & Eier, Milchprodukte, Lammfleisch, vereinzelt Gemüse, Kräuter, Obstsäfte, Fisch und Konfitüren bei Kunden sehr beliebt sind. Durch die ländliche Struktur und den hohen Anteil der Nebenerwerbslandwirte (mit naturgemäß geringen Zeitkapazitäten) ist die Direktvermarktung in der Region nicht so umfangreich wie in Nähe der städtischen Ballungsräume.
Diese älteste Form des landwirtschaftlichen Absatzes, direkt an den Endverbraucher, wurde in den 80 er Jahren "wieder belebt". Für den Erzeuger von heute gibt es einige nachvollziehbare Gründe für diese Entwicklung. So hat der Preisdruck auf die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise in den letzten Jahren ständig zugenommen, während die Lebensmittelpreise in den Läden durchaus stiegen. Gleichzeitig haben die globalen Marktströme und die industrielle Entwicklung die Nachfrage nach regionalen Produkten erhöht, so dass die Möglichkeit gesehen wurde, durch die Direktvermarktung die Wirtschaftlichkeit der bäuerlichen Produktion zu erhöhen.
Das veränderte Verbraucherverhalten hat diese Entwicklung begünstigt. Individuelle Produkt- und Qualitätspräferenzen weg von der standardisierten Industrieproduktion, der Trend zu natürlicher Ernährung einhergehend mit Transparenz der Herkunft und die Lust auf individuelle Spezialitäten haben diese Entwicklung begünstigt. Frische regionale Produkte direkt vom Erzeuger, den man auch noch kennt, fördern den Genusswert unserer Mahlzeiten und das Bewusstsein, gut eingekauft zu haben. Der Einkauf auf dem Bauernhof oder direkt vom Bauern auf dem Markt wird zum Erlebnis. Man kann dem Lebensmittelproduzenten auf die Finger schauen und ihn über Herstellung, Anbauweise und Arbeitsbedingungen selbst befragen. Es kann ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden und ein hohes Maß an Verbrauchersicherheit und -zufriedenheit erreicht werden. Der Kauf von Produkten aus der Region hilft nicht nur den bäuerlichen Familienbetrieben beim wirtschaftlichen Überleben, sondern ist auch ein wichtiges Element bei den Bemühungen um frische und qualitativ hochwertige Nahrungsmittel. Eine wichtige Rolle spielt hierbei natürlich, inwieweit der höhere Preis, den die Bauern aufgrund der höheren Produktionskosten bei der Direktvermarktung verlangen müssen, vom Verbraucher auf Dauer akzeptiert wird. Leider war das in der Vergangenheit häufig der Grund, dass zunächst begeisterte Kunden den Bauern wieder "von der Fahne gingen".
In den letzen Jahren sind im Kreis Siegen-Wittgenstein viele Werbe-Aktivitäten von Seiten der Direktvermarkter und sonstiger Institutionen initiiert worden: Neben den schon genannten Broschüren wurde unter anderem auf der SILA bei den Informationen zur regionalen Landwirtschaft auf die direktvermarktenden Betriebe hingewiesen. Am "Tag der Landwirtschaft" in Erndtebrück wurde der Stand der Direktvermarktung ebenso dargestellt wie am Aktionstag der Verbraucherzentrale NRW zum Thema "Die neue Ess-Klasse". Schließlich steht dieses wichtige Thema auch in den Agenda-21-Gruppen der verschiedenen Gemeinden auf der Tagesordnung. Für den heimischen Raum ist es ungeheuer wichtig, eine funktionierende Landwirtschaft mit all ihren Aufgaben zu erhalten. Die Erhaltung und der Ausbau der regionalen Vermarktung und der Direktvermarktung ab Hof sind ein wichtiger Schritt in Richtung Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft im Kreis Siegen-Wittgenstein.