Nmin-Richtwerte für Winterungen 2018

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Die Nmin-Richtwerte für die Winterungen wurden ermittelt. Aus 1.275 Nmin-Proben, die zwischen Mitte Januar und Ende Februar bei der LUFA NRW eingegangen sind, konnten repräsentative Werte für die drei Bodenschichten (0-30 cm, 30-60 cm und 60-90 cm) sowie für alle drei Schichten gemeinsam gebildet werden. Die Werte können für die N-Düngebedarfsermittlung (DBE) verwendet werden, die für jeden Schlag oder Bewirtschaftungseinheit angefertigt werden muss, auf der wesentliche N-Mengen pro Jahr (mehr als 50 kg/ha Gesamt-N) aufgebracht werden. Die Berechnung des N-Düngebedarfs muss vor der ersten N-Düngung schriftlich dokumentiert werden. Nach neuem Düngerecht müssen grundsätzlich für alle konventionellen ackerbaulichen Kulturen die Nmin-Werte aller drei Bodenschichten (0-90 cm) in die DBE einbezogen werden! Für alle nicht gelisteten Kultur-Konstellationen (Hauptfrucht - Vorfrucht) sind die allgemein gültigen Werte (Kategorie ‚sonstige‘) aus der vorherrschenden Bodenartengruppe zu gebrauchen.

Verschiedene Möglichkeiten des Herleitens des Stickstoffvorrats nach Düngerecht

Nach guter fachlicher Praxis muss der Landwirt vor der ersten Düngung Kenntnis über den im Boden vorliegenden mineralischen Stickstoff in Form des Nmin-Gehaltes haben. Die Herkunft der jeweils im Jahr für die DBE verwendeten Nmin-Werte muss nach Vorgaben der DüV wie auch nach CC-Vorgaben dokumentiert werden wie auch die DBE an sich. Es besteht eine siebenjährige Aufbewahrungspflicht für beide Dokumente. Sie müssen im Falle einer CC-Kontrolle oder Fachrechtsprüfung vorgelegt werden können. Als Herkunft für die Nmin-Werte kann sich der Landwirt analog zur alten DüV verschiedener Quellen bedienen. Die Empfehlung lautet, eine eigene repräsentative Nmin-Probe für seine Schläge zu ziehen. Dieser Wert gibt am ehesten Auskunft über die Stickstoffmengen im Boden, weil hier die tatsächliche Konstellation aus Kulturabfolge, Witterung, Bodenbearbeitung und Bodenart etc. im Nmin-Wert widergespiegelt wird. Als zweite, aber weniger zu empfehlende Herleitung des Nmin-Vorrats im Boden sind die von der Landwirtschaftskammer hier veröffentlichten Richtwerte.

Möglichkeiten des Herleitens eines Nmin-Wertes für die DBE sind 2018 folgende:

  1. eigene Nmin-Probe bei einem anerkannten, akkreditierten Labor (z.B. der LUFA NRW)
  2. Nmin-Richtwerte, die von der Landwirtschaftskammer NRW für Winterungen und Sommerungen veröffentlicht werden
  3. Nmin-Richtwerte -5 jähriges Mittel und Korrekturvorgaben

Zu Möglichkeit 2: Nmin-Richtwerte Winterungen 2018

Bodenart Winterung Vorfrucht 0-30 cm 30-60 cm 60-90 cm ∑ 0-90 cm
leichter Boden
(S, lS, sU)
Weizen und Triticale alle* 9 7 7 23
Gerste und Roggen alle* 8 5 4 17
Raps alle* 0 0 1 1
sonstige sonstige 8 5 5 18
mittlerer Boden
(sU, ssL, sL, lU, uL, L)
Weizen alle* 11 9 11 31
Triticale alle* 12 6 7 25
Gerste und Roggen alle* 7 5 5 17
Raps alle* 9 4 1 14
sonstige sonstige 10 7 7 24
schwerer Boden
(utL, tL, T)
Weizen alle* 15 14 13 42
Triticale, Gerste, Roggen alle* 11 9 6 26
Raps alle* 17 9 4 30
sonstige sonstige 14 11 9 34

Erhebungszeitraum: 15. Januar bis 2. März 2018
*alle: Wintergetreide, Winterraps, Blattfrüchte außer Leguminosen und Gemüse

Zu Möglichkeit 3: Nmin-Richtwerte - 5 jähriges Mittel und Korrekturvorgaben

Häufig wird eine DBE für Stickstoff bereits im Dezember und Januar gerechnet. Zu diesem Zeitpunkt können die Nmin-Richtwerte noch nicht vorliegen. Deshalb wird aus diesem Grund zunächst mit 5-jährigen durchschnittlichen Nmin-Werten gerechnet:

Weichen die jahresspezifischen Werte, die erst im Februar/März vorliegen von den 5-jährigen Nmin-Richtwerten deutlich ab, muss die DBE um diesen Wert korrigiert werden. Dies erhöht den Dokumentationsaufwand erheblich und ist deshalb in 2018 nur bei Überschreitung einer  Toleranzschwelle von +/- 10 kg/ha Nmin erforderlich. So wurden zum Beispiel als 5-jähriger Mittelwert für Winterweizen nach Getreide auf mittleren Bodenarten 38 kg/ha Nmin ermittelt. Für 2018 ergibt sich bei gleicher Konstellation ein Wert von 31 kg/ha Nmin. Die Differenz beträgt weniger als 10 kg/ha Nmin, sodass die DBE für diesen Schlag nicht mehr um den aktuellen Wert korrigiert werden braucht. Liegen höhere Abweichungen vor, sind die aktuellen Nmin-Richtwerte 2018 zur Dokumentation im Prüfordner abzulegen und bei der DBE zu berücksichtigen.

Nmin und flachgründigen Böden

Es gibt in NRW flachgründige Böden, bei denen Nmin-Proben nur bis 60 oder sogar nur bis 30 cm Bodentiefe gezogen werden können, da z.B. eine Gesteinsschicht oder Kies ansteht. Diese Betriebe dürfen dann die Nmin-Gehalte in der Bodenschicht 60-90 cm bzw. 30-60 cm bei der DBE unberücksichtigt lassen, auch wenn eine Bodenprobetiefe bis 90 cm in der DüV von 2017 verlangt wird. Ebenso müssen nur die Nmin-Richtwerte bis zur Bodentiefe 60 cm bzw. 30 cm berücksichtigt werden.

Kann aus bestimmten Gründen (z.B. Dränage) eine eigene Bodenprobe nicht bis 90 cm Tiefe gezogen werden, so wird in diesen Fällen für die oberen Bodenschichten der eigene Nmin-Wert und für die unterste Schichte(n) der hier veröffentlichte Richtwert verwendet (vgl. Möglichkeit 2).

Wurden untere Bodenschichten nicht berücksichtigt, obwohl dies vom Bodenaufbau möglich ist, wurde die DBE nach Vorgaben der Düngeverordnung formell nicht korrekt durchgeführt.

Witterung in Wintermonaten hat Einfluss auf Nmin-Werte zu Vegetationsbeginn

Für das Zustandekommen der Nmin-Werte zu Vegetationsbeginn ist neben der unveränderlichen Bodenart der Einfluss der Witterung während der Wintermonate auf dem jeweiligen Standort. In diesem als Sickerwasserperiode bezeichneten Zeitraum sorgen insbesondere die Niederschläge dafür, inwieweit sich der zu Ende der letzten Vegetationsperiode vorliegende mineralische Stickstoff verlagern kann oder komplett aus den beprobten Horizonten ausgewaschen wird. Wie in Abbildung 1 an beispielhaften Wetterstationen ersichtlich ist, ergaben sich während der letzten Sickerwasserperiode in der Summe in vielen Regionen von NRW durchschnittliche Niederschlagssummen. In manchen Regionen, wie in Ostwestfalen etwa, kamen aber auch deutlich höhere Werte zustande als im Durchschnitt der Jahre (1961-1990, Zahlen in den grauen Kästen in Abbildung 1).

Niederschlagsmengen Winter 2017 / 2018 an den Nitratmessstationen
Abbildung 1: Niederschlagssummen an drei ausgewählten Wetterstationen im Winter 2017/2018 im Vergleich zum langjährigen Mittelwert.

Bis einschließlich Januar waren die einzelnen Monate landesweit eher überdurchschnittlich nass. In Kombination mit den bereits sehr nassen Herbstmonaten kam es daher messbar zu vertikaler Verlagerung von Stickstoff. Im jüngsten Monat Februar gab es andererseits unterdurchschnittlich geringe Niederschläge. Neben dem Niederschlag spielt auch der Temperaturgang während der letzten Monate eine Rolle bei den nun vorliegenden Nmin-Werten. Auch wenn die Vegetation offiziell ruht während dieser Zeit, kann in einzelnen warmen Phasen einerseits aus organischer Materie mineralischer Stickstoff von den Mikroorganismen neu gebildet und andererseits auch Stickstoff von den Kulturpflanzen aufgenommen werden. Im zurückliegenden Winter gab es bis Anfang Februar durchaus solche warmen Phasen. Insgesamt befinden sich die Nmin-Werte 2018 auf einem deutlich niedrigeren Niveau als zu Beginn von 2017, weil die Sickerwasserperiode 2016/2017 deutlich trockener war.

Autor: Holger Fechner