Nitratdienst Oktober 2017

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Passend gesäte Wintergerste präsentiert sich jetzt größtenteils sehr gut und profitiert von zum Teil hohen Nmin-Werten in der Krume.

Nässe verzögerte Ernte und Aussaat – hohe Nmin-Werte unter Getreide

Der Nitratdienst berichtet über die Entwicklung des mineralischen Bodenstickstoffs unter den Referenzflächen im Zeitraum von Anfang September bis Anfang Oktober. Zusammengefasst war der Beginn des meteorologischen Herbstanfangs sehr nass und mild. Im Durchschnitt konnten an den Wetterstationen in NRW deutlich mehr Niederschlagssummen gemessen werden als im Mittel der Jahre. Die Niederschlagssumme innerhalb des Beobachtungszeitraums lag bei knapp 120 Millimeter und war damit fast doppelt so hoch wie üblich. Das hatte natürlich Konsequenzen auf die Feldarbeit.

Auf schwerem schluffigen oder tonigen Boden geriet die Ernte der Sommerungen ins Stocken. Bei der Kultur Mais kam es zu Beginn des Beobachtungseitraums v.a. im westlichen Münsterland und Südwestfalen zu starkem Windbruchschaden, sodass die Ernte hier nicht nur durch die Nässe, sondern auch durch gelagerte Pflanzen erschwert wurde. Spitzenwerte wurden bei den Niederschlagssummen mit 170 bis 190 Millimetern Niederschlag im Bergischen Land erzielt. Etwas trockener blieb es im südlichen Rheinland mit eher durchschnittlichen Werten um 50 bis 70 Millimetern. Das Wasser kam zu Beginn und zum Ende des Beobachtungszeitraums. Trocken mit viel Sonnenschien blieb es landesweit in der zweiten Septemberdekade. Dort, wo die Böden leichter und noch nicht zu sehr durchnässt waren, konnte dann mit der Ernte und der Bestellung des Wintergetreides fortgesetzt werden. An Standorten, wo die Ansaat von Wintergerste bislang immer noch nicht ausgeführt werden konnte, ist jetzt eine Aussaat schon sehr knapp. Die Temperaturen waren mit zehn bis zwanzig Grad Celsius verhältnismäßig mild. In Kombination mit der Feuchtigkeit waren die Mineralisationsbedingungen daher ziemlich gut. Auf den leichteren Böden dürften anderseits bei den hohen Wassermengen die Verlagerung von mobilem Nitratstickstoff in tiefere Bodenschichten die Folge gewesen sein.

Mit dem 1. Oktober hat auf Ackerland bei den konventionellen Kulturen die neue Sperrfrist nach neuer Düngeverordnung (DüV) bezogen auf alle Düngemittel mit einem wesentlichen Stickstoffgehalt (1,5 % Gesamtstickstoff in der Trockensubstanz) begonnen. Lediglich Festmist von Huf- und Klauentieren, Kompost und Champost können in NRW noch bis zum 15. Dezember ausgebracht werden.

Gedüngt wurde fast nur zu Zwischenfrüchten

Auch wenn die Düngung zu Wintergerste nach Getreidevorfrucht bis Ende September theoretisch noch erlaubt war, wurde auf den Referenzflächen in den meisten Fällen nicht mehr gedüngt. Das Unterlassen hatte oftmals seine Berechtigung, da das Nmin-Niveau im Vormonat insgesamt hoch war, wovon auch die Krumenschicht betroffen war. Im Durchschnitt sind die mineralischen Stickstoffmengen im Vergleich zum Vormonat derzeit ähnlich hoch. Eine Verlagerung von Stickstoff aus der Krume in untere Schichten im unteren zweistelligen Bereich zeigt sich z.B. unter der Fläche in Dülmen oder Kevelaer. Die Aufnahme des Hauptnährstoffs durch die jungen Pflanzen ist noch kaum von Bedeutung. Mit aktuell durchschnittlich 30 kg/ha Nmin in der Krumenschicht (0-30 cm) unter allen Wintergetreidearten ist beim überwiegenden Teil der Flächen ausreichend Stickstoff für die vorwinterliche Entwicklung vorhanden. Bei weiterhin sehr milden bis warmen Temperaturen muss davon ausgegangen werden, dass außerdem noch weiterer Stickstoff aus der organischen Substanz von den mineralisierenden Mikroorganismen im Oberboden bereitgestellt wird. Die noch dunkle Bodenoberfläche trägt positiv zur Erwärmung und damit zur Aktivität bei. Auch ohne Düngung besteht bei früh gesäten und weit entwickelten Beständen die Gefahr, dass diese leicht überwachsen und mastig in den Winter gehen. Bei der einzigen Winterweizenfläche in Anröchte-Effeln sowie einzigen Winterroggenfläche in Bocholt machen sich die Erntereste der Vorkultur Winterraps sowie die Bodenbewegung bei der Ernte der Kartoffel bemerkbar. Hier sind die Nmin-Werte deutlich angestiegen, wenngleich in Bocholt auf leichtem Boden bereits eine größere Menge an Stickstoff deutlich nach unten verlagert wurde.

Unter allen drei mit Winterraps bestellten Flächen sind die Nmin-Werte deutlich zurückgegangen, was im Wesentlichen auf eine Aufnahme durch die gut etablierten Bestände zurückzuführen ist. In Bünde sind allerdings auch größere Mengen verlagert worden. Unter geerntem Mais stellt sich die Ergebnislage sehr heterogen dar. In vielen Fällen gab es niederschlagsbedingt eine Verlagerung von Stickstoff. Dort, wo durch die Ernte mehr Boden bewegt wurde oder auch mehr Erntereste übrig blieben, bildet sich teilweise ein positiver Trend ab. Auf der sandigen, gerodeten Kartoffelfläche in Haltern-Hullern sind fast 30 kg/ha Nmin zuvor neu mineralisierter Stickstoff verlagert worden.

In vielen Fällen wurden Winter-Zwischenfrüchte mit den maximal erlaubten 60 kg/ha Gesamtstickstoff oder 30 kg/ha Ammoniumstickstoff gedüngt. Meistens geschah dies durch die Anwendung wirtschaftseigenem Dünger wie Gülle oder Gärresten. An vielen Standorten konnten sich mit Hilfe des bereits vorhandenen und gedüngten Stickstoff bis dato gute Bestände entwickeln, die ihre vielfältigen physiologischen Aufgaben – allem voran die Stickstoffbindung – ausüben können. Andererseits gibt es aber auch Bestände, die sich aufgrund von Stickstoffverlagerung und Nässe (v.a. auf strukturgeschädigtem Boden) zum Teil schwach entwickelt mit wenig Aufwuchs präsentieren. Je nach Ursache besteht die Hoffnung, dass der ein oder andere noch nicht blühende Bestand aufgrund des noch neu bildenden Stickstoffs etwas nachlegt.

Autor: Holger Fechner