Maßnahmenblatt: Ökologische Vorrangflächen im Greening - Flächenmaßnahmen

Bienenweide als ökologische VorrangflächeBild vergrößern
Bienenweide als ökologische Vorrangfläche


Reife ErbsenschotenBild vergrößern
Reife Futtererbsen


Zwischenfrucht MischungBild vergrößern
Zwischenfruchtmischung


Chinaschilf (Miscanthus giganteus) als NutzpflanzeBild vergrößern
Chinaschilf (Miscanthus giganteus) als Nutzpflanze


Stilllegung, Zwischenfrucht, Leguminosen, Nachwachsende Rohstoffe

Bereich Acker

Was beinhaltet die Maßnahme und welche ökologischen Vorteile bietet sie?

Ein zentrales Element der neuen Agrarreform ist das Greening. Im Rahmen des Greenings sind Betriebe mit mehr als 15 ha Ackerfläche dazu verpflichtet, 5% ihrer Ackerfläche als ökologische Vorrangflächen (ÖVF) vorzuhalten und entsprechend zu bewirtschaften. Für die Umsetzung der ÖVF stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Das vorliegende Maßnahmenblatt beschreibt die unterschiedlichen Flächenmaßnahmen. Eine ökologisch besonders hochwertige Maßnahme ist die Stilllegung (Brache), durch die einerseits wertvolle Rückzugsräume geschaffen werden und sich andererseits vielfältige Möglichkeiten der Vernetzung von Biotopen ergeben. In der Praxis ist es sinnvoll, unwirtschaftliche Flächen stillzulegen, die im Betriebsdurchschnitt geringere Qualitäten aufweisen oder deren Zuschnitt nachteilig ist. Neben der Brache ist auch die Zwischenfrucht als ökologische Vorrangfläche anrechenbar. Diese Maßnahme ist allerdings mit einigen Auflagen verbunden.

Eine Begrünung mit Zwischenfrüchten trägt zur Bodenverbesserung und zum Bodenschutz bei. Auch stehen diese Bestände im Winter als Rückzugsraum für verschiedene Tiere, wie zum Beispiel den Feldhasen zur Verfügung. Eine blühende Zwischenfrucht bietet im Spätsommer vielen Insekten Nahrung. Möglich ist außerdem Grasuntersaat; sie bietet sich vor allem auf Maisflächen an und dient in erster Linie dem Erosionsschutz. Eine weitere Flächenmaßnahme ist der Anbau von Leguminosen, der zur Lockerung der Fruchtfolge beiträgt. Neu aufgenommen werden ab dem 01.01.2018 die Ackerbrache als Bienenweide (Brache mit Honigpflanzen) sowie der Anbau von Nachwachsenden Rohstoffen (Miscanthus, Durchwachsene Silphie). Aufgrund ihrer unterschiedlichen ökologischen Wertigkeit werden bei den flächigen Maßnahmen unterschiedliche Gewichtungsfaktoren angesetzt: ab 2018 gilt der höchste Gewichtungsfaktor von 1,5 (1m² Ackerfläche = 1,5m² ÖVF) für Brachen mit Honigpflanzen, der Faktor von 1,0 für Ackerbrachen und Leguminosen, ein Faktor von 0,7 für Nachwachsende Rohstoffe und ein Faktor von jeweils 0,3 für Zwischenfrüchte und Untersaaten. Ab 2018 ist außerdem der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf ÖFV generell untersagt.


Hinweise zu Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten

Die Flächenmaßnahmen im Bereich Ökologische Vorrangflächen dienen einzeln oder in Kombination der Erfüllung der Greeningverpflichtungen und sind Voraussetzung für die Auszahlung der Greeningprämie.

Links zu rechtlichen und fördertechnischen Grundlagen:

Direktzahlungen-Durchführungsverordnung, aktualisierte Fassung 2018
www.gesetze-im-internet.de/direktzahldurchfv

Ratgeber Förderung
www.landwirtschaftskammer.de/foerderung/broschueren/ratgeber-foerderung.htm

Greening
www.landwirtschaftskammer.de/foerderung/direktzahlungen/greeningpraemie.htm


Hinweise zur Umsetzung

Die Flächenmaßnahmen sind immer auf Ackerflächen bezogen. Nur Flächen mit einer Mindestgröße von 0,1 ha sind anrechnungsfähig. Bei der Ackerbrache ist ein Stilllegungszeitraum von 01.01. bis 31.12 festgesetzt.

Detaillierte Angaben liefert die nachfolgende Tabelle:

Teil 1:

Stilllegung (Ackerbrache) Brache mit Honigpflanzen Zwischenfrucht
Gewichtungsfaktor  1,0 Gewichtungsfaktor  1,5 Gewichtungsfaktor  0,3
Begrünung / Einsaat: Begrünung / Einsaat: Begrünung / Einsaat:
  • Gezielte Einsaat bis 01.04. oder Selbstbegrünung
  • Einsaat von Gräsermischungen, Wildblumen oder krautartigen Futterpflanzen (keine Kulturpflanzen zu Erntezwecken)
  • Gezielte Einsaat bis 31.05.
  • Liste zulässiger Pflanzenarten mit entsprechenden Vorgaben für ein- oder mehrjährige Begrünung (siehe weiterführende Informationen)
  • Einsaat bis 01.10.
  • Vorgegebene Artenliste
  • Mischung aus mind. 2 Arten
  • Max. Anteil einer Art 60 % (Anzahl Samenkörner
  • Max. 60 % Grasanteil
Auflagen und Pflege: Auflagen und Pflege: Auflagen und Pflege:
  • Keine Pflegemaßnahme vom 01.04. bis 30.06.
  • Min. 1 mal pro Jahr bis 15.11. Mulchen oder Mähen
  • Kein Einsatz von Pflanzenschutzmitteln
  • Keine Düngung
  • Bodenbearbeitung zur Nachsaat oder Einsaat einer Folgekultur ab 01.08 zulässig
  • Beweidung ab 01.08. mit Schafen und Ziegen zulässig
  • Gelegentliches Befahren zulässig, darf nicht zur Schädigung des Aufwuchses führen
  • Aussaat gilt in 2018 als Mindestbewirtschaftung
  • Mähen, Schlegeln, Häckseln jederzeit zulässig, sofern keine Nutzung des Auswuchses
  • Kein Einsatz von Pflanzenschutzmitteln
  • Keine Düngung
  • Bodenbearbeitung zur Nachsaat oder Einsaat einer Folgekultur ab 01.10. zulässig
  • Beweidung ab 01.10. mit Schafen und Ziegen zulässig
  • Gelegentliches Befahren zulässig, darf nicht zur Schädigung des Aufwuchses führen
  • Bodenbearbeitung zur Einsaat der Folgekultur ab 16.02., in festgelegter Gebietskulisse (Rheinland) schon ab 01.02.
  • Nach Ernte der Hauptkultur: Kein Pflanzenschutz, keine min. Dünger, kein Klärschlamm
  • Schlegeln/Häckseln zulässig
  • Beweidung bis 31.12. im Antragsjahr nur mit Schafen und Ziegen möglich, danach mit allen Tierarten möglich
Nutzung: Nutzung: Nutzung:
  • Keine Nutzung des Aufwuchses zulässig
  • nach dem 15.02. des Folgejahres, wenn die Brache mit Honigpflanzen nicht weiter fortgeführt wird
  • Einmalige Biogas- oder Futternutzung ab 16.02. des Folgejahres zulässig
  • Keine Überführung in Hauptfrucht zulässig

Teil 2:

Untersaat Leguminosen Nachwachsende Rohstoffe
Gewichtungsfaktor  0,3 Gewichtungsfaktor  1,0 Gewichtungsfaktor 0,7
Begrünung / Einsaat: Begrünung / Einsaat: Begrünung / Einsaat:
  • Kein Einsaattermin
  • Nur Grasarten oder Leguminosen
  • Einsaat bis 15.05.
  • Vorgegebene Artenliste
  • Gemische zulässig (z.B. Kleegras), wenn die stickstoffbindenden Arten optisch vorherrschen
  • Kein Einsaat- bzw. Pflanztermin
  • Miscanthus, Durchwachsene Silphie
Auflagen und Pflege: Auflagen und Pflege: Auflagen und Pflege:
  • Bodenbearbeitung zur Einsaat der Folgekultur ab 16.02.
  • Normale Bewirtschaftung der darüberliegenden Kultur
  • Nach Ernte der Hauptkultur: Kein Pflanzenschutz, keine min. Dünger, kein Klärschlamm
  • Schlegeln/Häckseln zulässig
  • Beweidung bis 31.12. im Antragsjahr nur mit Schafen und Ziegen, danach mit allen Tierarten möglich
  • Grobkörnige Leguminosen: Ernte ab 16.08.; Ernte vor dem 16.08. möglich, wenn die Ernte 5 Tage vor Beginn bei der Kammer angemeldet wird
  • Feinkörnige Leguminosen: Ernte ab 01.09.
  • Kein Einsatz von Pflanzenschutzmitteln
  • Folgekultur muss eine Winterung oder Winterzwischenfrucht sein
  • Pflanzenschutzmittel nur in 2018 erlaubt
  • Keine mineralische Düngung
Nutzung: Nutzung: Nutzung:
  • Biogas- bzw. Futternutzung ab 16.02. des Folgejahres zulässig
  • Schnittnutzung bei feinkörnigen Leguminosen erlaubt
  • Schnittnutzung, stoffliche und/oder energetische Verwertung erlaubt

Die Umsetzung von ökologischen Vorrangflächen sollte stets betriebsindividuell erfolgen.

Weiterführende Informationen:

Dominik Schmitz: "Brache mit Honigpflanze", LZ Rheinland, Ausgabe 14 / 2018, S. 12-13PDF-Datei 867 KByte

Praxisbeispiel: Projekt „Summendes Rheinland“ der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft
www.rheinische-kulturlandschaft.de/themen-projekte/kulturlandschaft-erhalten-und-foerdern/summendes-rheinland-landwirte-fuer-ackervielfalt


Ansprechpartner

Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
Standortentwicklung, Ländlicher Raum
Gartenstraße 11
50765 Köln
Telefon: 0221 5340-333 oder -324
Telefax: 0221 5340-19333
E-Mail: biodiversitaet@lwk.nrw.de

Kreisstellen der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
www.landwirtschaftskammer.de/wegweiser/kreisstellen.htm

Stiftung Rheinische Kulturlandschaft
www.rheinische-kulturlandschaft.de

Stiftung Westfälische Kulturlandschaft
www.stiftung-westfaelische-kulturlandschaft.de


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