Legehennenfutter im Test

Legehennen im offenen Stall

Wie zehn Legehennenfutter aus Nordrhein-Westfalen vom Verein Futtermitteltest (VFT) bewertet wurden.

Im Zeitraum Juli bis August 2008 wurden in Nordrhein-Westfalen vom Verein Futtermitteltest (VFT) neun Alleinfutter I und ein Alleinfutter II für Legehennen beprobt, analysiert und anschließend bewertet. An der Testreihe waren sieben verschiedene Herstellerwerke beteiligt, von denen zwei Werke außerhalb von Nordrhein-Westfalen ansässig sind. Die deklarierten Energiegehalte der Alleinfutter I reichten von 11,0 bis 11,8 MJ ME/kg, die Rohproteingehalte waren mit 16,7 bis 18,0 % angegeben. Das Alleinfutter II war mit 11,4 MJ ME/kg und 16,5 % Rohprotein deklariert. Die Methioningehalte der Prüffutter reichten nach den Angaben der Hersteller von 0,33 bis 0,45 %, wobei auch ein Methionin-Hydroxy-Analog (MHA) enthalten sein kann. Während die deklarierten Calcium-Gehalte (Ca) zwischen 3,60 und 4,00 % variierten, reichten die Phosphorgehalte (P) der geprüften Futter von 0,40 bis 0,58 %. Bei einem Alleinfutter I handelte es sich um ein Ökofutter, das in Holland hergestellt wurde (Fa. Reudink). Es war somit für die Eiererzeugung nach Ökorichtlinien geeignet. Dieses Biofutter enthielt keinen Zusatz mikrobieller Phytase, alle übrigen Prüffutter waren hingegen mit einem Phytasezusatz ausgestattet. Wie in der Schweinefütterung zählen Phytaseergänzungen in NRW mittlerweile zu den standardmäßigen Futterkonzepten der Legehennenhalter. Bei der damit einhergehenden Verbesserung der Verwertung des Futter-Phosphors kann der Brutto-P-Gehalt des Futters gesenkt und gleichzeitig die P-Ausscheidung der Tiere reduziert werden.

Kommentierung der Ergebnisse

Im Rahmen der Deklarationsüberprüfung steht die Einhaltung der angegebenen Inhaltsstoffe des Futters im Vordergrund. Hier konnten die Herstellerangaben bei den Prüfparametern Energie, Rohprotein, Methionin, Ca und P ausnahmslos analytisch bestätigt werden. Bezogen auf die jeweils deklarierten Gehaltsangaben lagen somit sämtliche Laborbefunde innerhalb der gesetzlich verankerten Toleranzen.

Bei der fachlichen Bewertung der Prüffutter werden die Fütterungshinweise betrachtet, die den Einsatzzweck und –bereich des Futters klar erkennen lassen sollen. Bei einigen Prüffuttern wurde über die Produktbezeichnung und/oder Kennzeichnung des Futtertyps - wie beispielsweise „Alleinfutter I“ - der Einsatzzweck des Futters vorgegeben. Zusätzliche Fütterungshinweise, die eindeutig und klar zu interpretieren sein sollen, erleichtern dem Legehennenhalter einen gezielten Einsatz der Futter, insbesondere bei speziell konzipierten Futtern wie Phasenfutter. Um die fachlichen Anforderungen an ein Legehennenfutter beurteilen zu können, werden die ermittelten Nährstoffgehalte mit den aktuellen Empfehlungen verglichen und bewertet. Dabei wurde bei zwei Testfuttern ein energetischer Übergehalt offenkundig, der allerdings zu keiner Abwertung der Futter führte. Da die Alleinfutter I für Legehennen für den Einsatz während der gesamten Legeperiode geeignet sein sollen, sind die Futtermengen bei einem vorhandenen Energie-Übergehalt zum Ende der Legeperiode zu begrenzen, ansonsten kann es zur Verfettung der Tiere führen. Unter Berücksichtigung der begrenzten Futteraufnahme, vor allem der jungen Tiere, sind hingegen während der Phase mit der höchsten Legeleistung möglichst Futter mit mindestens 11,4 MJ ME/kg zu empfehlen.

Für die Ausbildung der Eischale benötigt die Legehenne eine ausreichende Ca-Zufuhr, ansonsten leidet die Schalenqualität, so dass verstärkt Knickeier vorkommen können. Da sich zum Ende der Legeperiode nicht nur die Verfügbarkeit des Ca verringert, sondern auch vermehrt größere Eier gelegt werden, sollte die Ca-Zufuhr darauf abgestellt werden. Nach den VFT-Zielvorgaben sollen danach die Alleinfutter II, deren Einsatz ab etwa dem 10. Legemonat empfohlen wird, eine Ca-Energie-Relation von mindestens 3,6 g Ca/MJ ME aufweisen. Das einzige Alleinfutter II des Tests der Fa. KOFU entsprach den Fütterungsvorgaben des VFT für Althennen. Beim Alleinfutter I lautet die VFT-Vorgabe 3,1 g Ca/MJ ME; die im Test befindlichen Alleinfutter I erreichten im Mittel 3,4 g Ca/MJ ME (2,8 bis 4,0 g). Bei der Legehennenfütterung spielt weiterhin die Versorgung mit Methionin (Met) als erstlimitierende Aminosäure eine besondere Rolle. Eine Unterversorgung kann negative Auswirkungen auf Dottergröße und Eigewichte zur Folge haben. Die Mindestanforderung von 0,30 g Met/MJ ME beim Alleinfutter I bzw. 0,29 g Met/MJ ME beim Alleinfutter II wurde von allen Prüffuttern eingehalten. Auch das Ökofutter erfüllt mit 0,29 g Met/MJ ME unter Berücksichtigung der Toleranz noch die VFT-Empfehlung für die Alleinfutter I. Hinsichtlich der P-Ausstattung erreichten die Prüffutter einen durchschnittlichen P-Gehalt von 0,49 %. Bezogen auf den durchschnittlichen Energiegehalt der Prüffutter von 11,6 MJ ME/kg errechnete sich eine mittlere Relation von 0,42 g P/MJ ME. Der VFT-Zielwert beträgt beim Einsatz von Phytase 0,37 g P/MJ ME. Daran wird ersichtlich, dass im Einzelfall noch P-Einsparungen möglich sind.

Innerhalb der Gesamtbewertung konnten sämtliche Prüffutter in die bestmögliche Gruppe 1 eingestuft werden. Die vorliegenden Testergebnisse gelten jedoch nur für die geprüften Futterlieferungen. Rückschlüsse auf die übrigen Produkte der beteiligten Futtermittelhersteller sind nicht gerechtfertigt.

Hinweis

Erläuterungen zur Vorgehensweise und zur Bewertung der Futtermittel durch den VFT sind unter www.futtermitteltest.de abrufbar. Dort sind auch die Ergebnisse von Tests anderer Regionen dargestellt.

Autor: Josef Möllering