Grassilagequalität der Ernte 2009

Grassilage ernten

Bisher wurden seitens der LUFA NRW 424 Grassilageproben vom Dauerlandgrünland des ersten Aufwuchses aus dem Jahr 2009 analysiert. Annette Menke und Dr. Martin Pries, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, stellen die Ergebnisse vor.

Die folgenden Auswertungen beziehen sich auf Grassilagen von Weide/Dauergrünland des ersten Aufwuchses und den Folgeschnitten sowie Ackergrassilagen 1. Schnitt. Die Ergebnisse sind in Tabelle 1 aufgeführt. Bei den Ackergrassilagen liegen von den Folgeschnitten nur wenige Analysen vor, so dass keine sicheren Aussagen getroffen werden können.

Trockenmasse:

Die Grassilagen der diesjährigen Ernte liegen mit 34,6 % in dem angestrebten Bereich von 30 bis 40 % Trockenmassegehalt (TM). Die Werte der Vorjahre werden deutlich unterschritten. Feuchte Silagen fermentieren in aller Regel intensiver als trockene, so dass mehr lösliche Kohlenhydrate für die Säuerung benötigt werden. Dies spiegelt sich in den niedrigeren Zuckergehalten der diesjährigen Silagen wieder.

Rohasche:

Mit rund 106 g Asche je kg TM bei Silagen vom Dauergrünland und 116 g/kg TM bei Ackergrassilagen liegen die Gehalte im Durchschnitt mal wieder über den anzustrebenden Orientierungswert von weniger als 10 %. In NRW weisen rund 57 % aller Silagen eine zu hohe Verschmutzung auf (siehe Tabelle 2).

Rohfaser:

Der Rohfasergehalt liegt mit 255 g/kg TM beim 1. Schnitt sowie bei den Folgeschnitten in ähnlicher Größenordnung wie in den Vorjahren.

Bei der Auswertung nach Schnittzeitpunkt zeigt sich, dass die Grünlandsilagen im Mittel am 14. Mai geschnitten wurden, die Ackergrassilagen bereits am 09. Mai. Und dennoch liegen rund 58 % aller Grassilage oberhalb der anzustrebenden Orientierungswerte von 220 – 250 g Faser /kg TM, wie Tabelle 2 zeigt. Das zeigt, dass nach wie vor in NRW ein großer Teil der Grünlandflächen zu spät geschnitten wird. Auch die Faserfraktionen ADF org und NDF org befinden sich auf einem höheren Niveau als für hochwertige Silagen gefordert.

Eiweißkenngrößen:

Besonders auffällig ist der mittlere Rohproteingehalt von nur 145 g/kg TM, womit der Gehalt der Vorjahresernte um ca. 20 g/kg TM unterschritten wird. Entsprechend gering fallen die Gehalte an nXP und RNB aus. Diese Verringerung kann in einer reduzierten Stickstoffdüngung begründet sein, da im Frühjahr 2009 die Preise für N-haltige Düngemittel auf einem sehr hohen Niveau waren. Zusätzlich könnte auch eine geringere N-Mobilisation im Boden aufgrund der niedrigen Temperaturen in diesem Frühjahr zum Tragen kommen.

Die jeweiligen Spannbreiten verdeutlichen, dass die Rationsplanung unbedingt auf einzelbetrieblichen Daten basieren sollte.

Energiegehalt:

Die Energiegehalte weisen in diesem Jahr kein befriedigendes Ergebnis auf. Die Grassilagen 1. Schnitt erreichen knapp 5,85 MJ NEL/kg TM und die Ackergrassilagen 1. Schnitt liegen im Mittel bei 6,0 MJ NEL/kg TM. Hier machen sich die erhöhten Aschegehalte und die niedrigen Zuckergehalte negativ bemerkbar.

Mineralstoffgehalt:

Der Phosphorgehalt beträgt nur noch rund 2,8 g/kg TM und liegt damit auf einem niedrigen Niveau, welches es bisher noch nicht gegeben hat. Die Schwankungsbreite reicht dabei von 1,8 bis 4,3 g/kg TM.

Seit dem Jahr 2004 haben sich die P-Gehalte kontinuierlich von 3,8 g/kg TM auf jetzt nur 2,8 g/kg TM verringert, womit die P-Konzentration in den Silagen nun deutlich unter den zur Bedarfsdeckung empfohlenen Werten von 3,5 – 3,8 g/kg TM Futteraufnahme bei Kühen mit einer Tagesmilchmenge von 25 bis 35 kg liegt. Im Rahmen der Rationsberechnung muss deshalb gerade in diesem Jahr geprüft werden, ob aus der P-Aufnahme aus allen Futterkomponenten eine ausreichende Bedarfsdeckung gegeben ist. Auch hier gilt: nur mit betriebseigenen Analysebefunden rechnen.

Kaum Qualitätsunterschiede zwischen den Regionen

Die mittleren Erntetermine differieren zwischen den Höhen- und Niederungsgebieten in NRW um gut eine Woche, wie der Tabelle 3 entnommen werden kann. Das führt im Durchschnitt zu recht vergleichbaren Inhaltsstoffen und nur zu leichten Unterschieden im Trockenmasse- und Energiegehalt. Dagegen wurden früher in den Höhengebieten von NRW durchweg qualitativ hochwertigere Silagen gewonnen, die im Energiegehalt immer um 0,2 MJ NEL/kg TM und mehr über denen aus den anderen Regionen lagen.

Fazit

Die Ergebnisse der Grassilageuntersuchungen zeigen, dass in diesem Jahr vorwiegend nur mittelmäßige Qualitäten zur Verfügung stehen. Im Durchschnitt von NRW wurden die Silagen Mitte Mai geerntet. Für die Grassilagebergung im Jahr 2010 sollte versucht werden, die Ernte noch zeitgerechter vorzunehmen, sofern die Witterungsbedingungen dies zulassen.