Kälberaufzuchtfutter im Test

Kälber auf Haus Riswick

Vom Verein Futtermitteltest sind im Zeitraum von April bis Juli 2012 in Nordrhein-Westfalen insgesamt acht Ergänzungsfutter, die sechs Mischfutterwerken zuzuordnen sind, für Aufzuchtkälber beprobt und analysiert worden.

Die Futter werden in der LUFA NRW auf die Gehalte an Rohprotein, Rohfaser, Rohfett, Stärke, ADFom(organische Fraktion der Säure-Detergenzien-Faser) sowie Calcium und Phosphor untersucht. Der Gehalt an umsetzbarer Energie (ME) ist nach futtermittelrechtlich festgelegter Formel geschätzt.

Bewertet werden neben der Einhaltung der Deklaration auch die Fütterungshinweise der Hersteller. Sie müssen zum einen den gesetzlichen Vorgaben entsprechen und zum anderen eine aussagekräftige Einsatzempfehlung für das Futter enthalten.

Von den hier geprüften Ergänzern sind zwei mit einem Energiegehalt von 10,8 MJ ME/kg und 16 bzw. 20 % Rohproteingehalt deklariert. Zwei weitere Futter sollen 11,0 MJ ME/kg mit 20 % Rohprotein aufweisen. Und vier Futter sind mit 11,2 MJ ME/kg und Rohproteingehalten von 18, 19 und 23 % gekennzeichnet. Insgesamt zwei Futter weisen einen Zusatz von Glycerin auf. Für alle Futter, bis auf eins, werden Fütterungsempfehlungen bezüglich der Einsatzmenge in der Größenordnung von bis zu 3 kg je Tier und Tag gegeben. Die konkreten Hinweise und die überprüften Herstellerangaben sind der Tabelle 1 zu entnehmen.

Ergebnis

Erfreulicherweise wurden die Herstellerangaben zu Energie und Nährstoffen durch die Laborbefunde nach rechtlichen Vorgaben durchweg bestätigt. Das Ergänzungsfutter UNION Kälbervollkornstarter von Heiliger, Zülpich, überschreitet allerdings den deklarierten Energiegehalt. Beim Protein- und Calciumgehalt werden die fachlichen Anforderungen für ein Ergänzungsfutter für Kälber (mind.18 % Protein und 1,00 % Ca) nicht erfüllt, siehe Kommentar. Dies führt zu einer insgesamt schlechten Bewertung. Bei einem Futter Raiffeisen Kälberkorn der Raiffeisen Hamaland wurde ein knapper Phosphor-Untergehalt festgestellt und beim RWZ-Kälberkraftfutter extra der RWZ Rhein-Main, Wiesbaden, fehlt der Fütterungshinweis zur Einsatzmenge.

Hinsichtlich der Abstufung der Energieangaben in 0,2 MJ ME/kg-Schritten wird eine Genauigkeit dargestellt, die in der Fütterungspraxis in der Regel nicht erreicht wird. Deshalb sind mit den Mischfutterherstellern Energiestufen mit einer Toleranz (laut Futtermittelrecht) von 0,4 MJ ME/kg vereinbart worden. Dabei entspricht die Energiestufe 2 10,2 MJ ME/kg und die Energiestufe 3 10,8 MJ ME/kg, energiereichere Mischfutter sollten in Fortführung des Toleranzbereiches einen Energiegehalt von mindestens 11,2 MJ ME/kg aufweisen.

Kommentierung

Der Einsatz von Mischfuttern, wie zum Beispiel das hier geprüfte Union Kälbervollkornstarterr, die einen deklarierten Rohproteingehalt von weniger als 18 % aufweisen, ist aus Fütterungssicht nur bei zusätzlicher Eiweißzufuhr (z.B. zu Milchtränke) sinnvoll. Denn schließlich soll in der Kälberaufzucht das Wachstumspotential der jungen Kälber optimal ausgenutzt werden. D ie Aufzuchtfutter sollen eine Ergänzung der Energie-, Nähr- und Wirkstoffversorgung der sich ändernden Ration (Milchtränke, Milch und Grobfutter, Grobfutter) ermöglichen. Auf Basis üblicher Futterqualitäten und -mengen sind daher für Kälberaufzuchtfutter die vorgesehenen Richtwerte anzustreben.

Übersicht: Richtwerte für Kälberaufzuchtfutter gemäß VFT-Vorgaben
Bewertungskriterien Anforderungen
Energie, MJ ME/kg mind. 10,2*; im Rahmen der vereinbarten Energiestufe (10,2; 10,8; ≥ 11,2)
Protein, % mind. 18 bis max. 22*
Calcium, % 1,0
Phosphor, % 0,45
* Die Überprüfung geht vom deklarierten Wert aus. Dieser muss zusätzlich die min. bzw. max. Vorgaben einhalten.

Die Ergebnisse dieser Testreihe beziehen sich nur auf die hier geprüften Futtermittel.

Autor: Annette Menke