Hornlosbullen: Stabiler Faktor im Zuchtprogramm

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Hornlosbulle Mission P. Foto: Wilhelm Lemm, KeLeKi

Die aktuelle Zuchtwertschätzung für Holsteins im August 2017 brachte so wie jedes Jahr die Basisanpassung im Frühjahr für die veröffentlichten Zuchtwerte. Die neue Basis bilden jetzt alle Kühe, die von 2011 bis 2013 geboren sind (vorher: 2010 bis 2012). Aufgrund dieser Basisaktualisierung wurde der in der Tabelle gezeigte Zuchtfortschritt erreicht. Durch den verstärkten Einsatz genomischer Vererber seit 2010 wurden bei den Holsteins sowohl im Bereich Schwarzbunt als auch bei den Rotbunten etwa 3 RZG-Punkte Zuchtfortschritt realisiert. Erfreulich ist, dass dieser Zuchtfortschritt nicht so sehr in einer höheren Milchleistung, sondern in erster Linie in einer Exterieurverbesserung und der Höhe der Nutzungsdauer zu finden ist.

  RZM RZS RZE RZN RZR RZKm RZG
SBT -1,6 -0,7 -3,2 -1,9 -0,3 -0,1 -2,9
RBT -1,6 -0,5 -3,4 -2,2 0,2 -0,2 -3,0

Anpassung der Gewichtung von Linear-Merkmalen

Kommt es durch die neue Basis zu einer linearen Abschreibung der Zuchtwerte ohne Rangverschiebung zwischen den Bullen, so gab es bei der April-Zuchtwertschätzung noch einen zweiten Aspekt, der auch auf die Rangierung der einzelnen Bullen Einfluss hat. Im Bereich ‚Exterieur‘ gab es aufgrund der durchgeführten Analysen Änderungen, die sich letztlich positiv oder negativ auf den Zuchtwert des einzelnen Bullen auswirken. Beim Merkmalskomplex ‚Körper‘ wurde die Größe als Optimal-Merkmal bei 112 definiert, die Gewichtung von Stärke von 15 % auf 20 % erhöht und die Körpertiefe in ihrer Bedeutung von 25 % auf 20 % im Merkmalskomplex reduziert.

Die größten Veränderungen gab es beim Merkmalskomplex ‚Fundament‘. Hier wurde die Gewichtung der Bewegung um 10 % auf jetzt 30 % erhöht – Hinterbein Winkelung (15 %) und Klauenwinkel (15 %) wurden um jeweils 5 % reduziert. Die Gewichtung vom Linear-Index zur subjektiven Fundamentnote beträgt jetzt 75 : 25 (vorher: 50 : 50).

Auch beim Euterkomplex gab es Änderungen. Hier werden ab sofort die Strichplatzierung vorne sowie die Strichlänge neu als Optimal-Merkmal mit Optimum 112 in der Bewertung berücksichtigt.

Diese Änderungen bei der Berechnung des Indexes haben bei der Mehrzahl der Bullen Auswirkungen im Bereich von ± 2 RZE-Punkten. Nur bei extremen Vererbern kommt es – im gewünschten Sinne – zu deutlichen Veränderungen.

Hornlosbullen im Fokus

Im Bereich der Hornloszucht geht die Entwicklung kontinuierlich weiter. Inzwischen gibt es in Deutschland kein aktives Holstein-Zuchtprogramm mehr, in dem nicht auch ‚Hornlos‘ im Fokus steht. Dies führt natürlich dazu, dass das Angebot weiter ansteigt. In NRW werden aufgrund der intensiven Arbeit im Zuchtprogramm inzwischen recht konstant ca. 30 % aller rotbunten Holstein-Besamungen und inzwischen auch schon 10 % der schwarzbunten Holstein-Besamungen mit Bullen durchgeführt, die das begehrte ‚P‘-Gen führen. Dabei zeigt das Nachfrageverhalten deutlich, dass ‚P‘-Bullen, welche mischerbig (Pp) vererben, nur dann von Landwirten verstärkt nachgefragt werden, wenn neben der natürlichen Hornlosigkeit auch die weiteren Anforderungen von dem jeweiligen Bullen erfüllt werden. Bei der Selektion der ‚P‘-Bullen wird von daher beinahe das gleiche züchterische Niveau angestrebt wie bei den konventionellen Bullen. Etwas anders sieht die Situation aus bei Bullen, die reinerbig Hornlosigkeit vererben (PP). Natürlich gibt es auch hier grundsätzliche Anforderungen an die Funktionalität, aber im Falle von ‚PP‘ werden eher leichte Zugeständnisse gemacht, da das Enthornen der Nachkommen definitiv entfällt. Erste ‚PP‘-Bullen konnten inzwischen gezüchtet werden und es gilt jetzt, diesen schwierigen Weg konsequent weiter nach vorne zu schreiten.

Immer noch enge Blutführung bei Hornlosbullen

Bei den natürlich hornlosen Bullen ist es inzwischen durchaus gelungen, die Blutführung auf eine etwas breitere Basis zu stellen. Dies gilt insbesondere in der Abteilung Schwarzbunt, während bei den Rotbunten vor allem Lawn Boy noch recht hoch in den aktuellen Papieren geführt wird. Zu dem Top-Vererber Mission P RDC gesellen sich aktuell Batch P und Born P RDC, die beide mit Battlecry einen der aktuell erfolgreichsten Bullenväter als Vater im Papier führen. Auch diese drei Spitzenbullen der Abteilung Schwarzbunt führen den rotbunten Lawn Boy in drei oder vier Generationen Abstand im Papier und haben über ihn das wertvolle ‚P‘ erhalten.

Die Arbeiten wurden teilweise finanziert durch das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen.

Landesinitiative des Landes NRW.

Autor: Dr. Werner Ziegler