Heimische Körnerleguminosen statt Sojaextraktionsschrot aus Übersee?

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Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen werden als Ersatz von Sojaextraktionsschrot diskutiert. Ob sie eine echte Alternative in der Fütterung sein können, erläutert Dr. Gerhard Stalljohann.

Die Ansätze zur Beantwortung in konventionellund ökologisch wirtschaftenden Betrieben sind natürlich verschieden, weil insbesondere die Auflagen im Ökolandbau andere sind - ein Sojaextraktionsschrot ist in der Öko-Fütterung gar nicht erlaubt. Weiterhin ist hinreichend bekannt, dass heimische Körnerleguminosen für einen Einsatz bei Rindern, Schweinen und Geflügel aufgrund unterschiedlicher Verdauungsorgane oder -möglichkeiten differenziert beurteilt werden sollten. Besondere Kennzeichen der heimischen Körnerleguminosen sind nämlich auch die mehr oder weniger hohen Gehalte an sogenannten sekundären Pflanzeninhaltsstoffen, die unter anderem einer normal ablaufenden enzymatischen Verdauung entgegenwirken können. Hierzu zählen zum Beispiel Tannine in Ackerbohnen und Lecthine in Erbsen, die insbesondere die Proteinenzyme beim Aufschluss des begehrten Eiweißes hindern. Aus Sicht der Pflanze fungieren sie als sogenannte Schutzstoffe und haben dann Miteinfluss auf die Vitalität und Gesundheit der Körnerleguminosen-Bestände.

Leguminosen an Schweine

Im Folgenden sollen zunächst Antworten zu einer stärkeren Verfütterung von Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen in der konventionellen und ökologischen Schweinehaltung gegeben werden. Aus Sicht der Schweinefütterung stehen dabei die in dem Kasten aufgeführten Kriterien wie Futterwert, Versuchsergebnisse, Praxiserfahrungen, Wirtschaftlichkeit und Einsatzwürdigkeit bei einer vergleichenden Betrachtung mit den zurzeit umfangreicher im Einsatz befindlichen pflanzlichen Eiweißträgern, wie Sojaextraktionsschrot, Sojavollbohne, Sojakuchen, Rapsextraktionsschrot, Rapskuchen und Kartoffeleiweiß im Vordergrund.

Welche Kriterien sollten aus Sicht der Tierernährung beachtet werden?

  • Futterwert
    • Nährstoffe
    • Verdaulichkeit
    • Sekundäre Inhaltsstoffe
  • Versuchsergebnisse/Erfahrungen
    • Empfehlungen zum Einsatzumfang
  • Wirtschaftlichkeit
    • Kosten-Nutzen-Relation
  • Einsatzwürdigkeit
    • Preis
    • Verfügbarkeit
    • Konservierung/Lagerung
    • Aufbereitung

Wie hoch ist der Futterwert?

In den Tabellen 1 und 2 (siehe PDF unten) wird der Futterwert von Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen im Vergleich zu anderen, mehr oder weniger stark eingesetzten Eiweißträgern dargestellt. Wenn sich dieser Vergleich in der Tabelle 1 auf die Rohnährstoffgehalte Rohprotein, Rohfaser, NDF (= neutral lösliche Detergenzienfasern), Rohfett, Stärke/Zucker und der hieraus resultierenden Energie sowie auf die Einordnung bezüglich der sekundären Inhaltsstoffe begrenzt, werden in der Tabelle 2 Vergleiche zur Eiweißqualität über die Darstellung von Proteinverdaulichkeiten, Aminosäurenkonzentration und der Aminosäurenverdaulichkeiten im Dünndarm vorgenommen.

Aus diesen Übersichten wird zunächst einmal ersichtlich, dass die heimischen Körnerleguminosen Ackerbohnen und Erbsen deutlich weniger Rohprotein enthalten als Sojaextraktionsschrot, Sojakuchen oder Kartoffeleiweiß. Der Rohproteingehalt der Lupinen liegt dagegen mit knapp 40 % Rohprotein anderthalbmal bis zweimal so hoch wie in Ackerbohnen mit 26 % und Erbsen mit 22 % Rohprotein. Dafür enthalten Ackerbohnen und Erbsen mit rund 40 beziehungsweise 47 % Stärke und Zucker aber deutlich höhere Kohlenhydratanteile, die als Energielieferanten genutzt werden. Der Rohfettgehalt von Ackerbohnen und Erbsen ist dagegen mit 1,4 und 1,7 % vergleichbar niedrig wie in Soja- und Rapsextraktionsschroten und wird demzufolge auch keine Mengenbegrenzung zur Erreichung einer guten Fettkonsistenz im Schlachtkörper erforderlich machen. Bei höherem Einsatz von Sojavollbohnen oder Soja- und Rapskuchen wäre eine negative Beeinflussung der Fettkonsistenz eher zu befürchten.

Die Rohfaser- und NDF-Gehalte von Ackerbohnen und Erbsen liegen mit knapp 8 % Rohfaser und 14,5 % NDF sowie 4,2 und 10,6 % NDF eher unterhalb derer in Soja- und Rapsextraktionsschrot, wogegen die Rohfaser- und NDF-Gehalte in Lupinen höher liegen als im Soja- und Rapsextraktionsschrot.

Insbesondere in Jahren mit niedrigen Rohfaser- oder NDF-Gehalten in Schwergetreiden und CCM-Silagen mit anzustrebenden geringen Spindelanteilen wird die Faserlieferung aus Eiweißträgern neben der eigentlichen Lieferung von Eiweiß begrüßt, um der Forderung nach schwerer verdaulichen Kohlenhydraten für die Ernährung der nützlichen Darmbewohner gerecht zu werden. Dies fördert nämlich die Darmgesundheit sowie die Abwehrleistung gegenüber krankmachenden Erregern und Stoffen erheblich und kann darüber sicherlich mit zur Reduzierung eines Medikamenteneinsatzes mit beitragen.

Wichtige Aminosäuren

Für die weiterreichende Einstufung der Körnerleguminosen in der konventionellen und ökologischen Schweinefütterung sind neben der Rohproteinlieferung die Gehalte an Aminosäuren und deren Verdaulichkeiten von maßgebender Bedeutung. In der Tabelle 2 sind neben dem verdaulichen Rohprotein zusätzlich die Lysingehalte, deren Verdaulichkeit im Dünndarm (pcv), die Relationen von Methionin/Cystin, Threonin und Tryptophan zum Lysin und die Konzentration des Lysin im Rohprotein zur genaueren Beurteilung des Eiweißlieferungsvermögens der Körnerleguminosen im Vergleich zu anderen Eiweißträgern in der Schweinefütterung aufgeführt.

Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen enthalten deutlich weniger Rohprotein als Soja- und Rapsextraktionsschrot und Kartoffeleiweiß.

Die Konzentration der zuerst in der Schweinefütterung limitierend wirkenden Aminosäure Lysin im Rohprotein ist allerdings in Ackerbohnen und Erbsen höher als im Soja- und Rapsextraktionsschrot. Mit 6,3 bzw. 7,3 g Lysin je 100 g Rohprotein in Ackerbohnen beziehungsweise Erbsen wird die Konzentration des Lysin im Soja- und Rapsextraktionsschrot von 6,2 und 5,6 g Lysin je 100 g Rohprotein gut erreicht oder überschritten. Die Lysinverdaulichkeit ist mit 82 und 84 % in den Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen etwas geringer oder besser als im Soja- und Rapsextraktionsschrot mit 87 und 73 % praecaecaler Lysinverdaulichkeit. Dies darf natürlich keinesfalls darüber hinwegtäuschen, dass die absolute Lieferung an verdaulichem Lysin in Futtermischungen aus Soja- und Rapsextraktionsschrot etwa 66 sowie 10 % höher liegt als mit Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen, denn statt 23,3 und 14,5 g pcv Lysin je kg Soja- oder Rapsextraktionsschrot werden lediglich 13,5, 12,9 beziehungsweise 16,5 g pcv Lysin je kg Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen für Futtermischungen angeboten. Im Vergleich zum Kartoffeleiweiß beträgt die pcv Lysin-Lieferung der Körnerleguminosen sogar nur etwa ein Viertel.

Diese geringeren pcv Lysingehalte je kg müssten durch sehr hohe Mischungsanteile an Körnerleguminosen von mindestens 40 bis 50 % ausgeglichen werden, um eine Bedarfsdeckung zu erreichen.

Um die rapide fallende Futterakzeptanz bei derart hohen Mischungsanteilen an Körnerleguminosen mit ihren verdauungshemmenden Gehalten an sekundären Inhaltsstoffen zu umgehen, werden Einsatzmengen von maximal 10 bis 20 % Körnerleguminosen in der Anfangs- und Endmast empfohlen. Es kann also nur ein Teil des Sojaextraktionsschrotes ersetzt werden und es werden bei konventionell gehaltenen Schweinen zudem zusätzlich freie Aminosäuren zur Einhaltung normaler oder abgesenkter Rohproteingehalte in Mischungen über die Mineral- oder Ergänzungsfuttereinmischung eingemischt. Zur Senkung des eigentlich erforderlichen Mischungsanteils an Ackerbohnen und Erbsen in ökologischen Sauen-, Ferkel- und Mastschweinefuttermischungen wird bislang noch auf den Einsatz von Kartoffeleiweiß oder Milchprodukte bei Ferkeln zurückgegriffen.

Neben der geringeren Lysinlieferung zeichnen sich die Körnerleguminosen weiterhin durch eine geringere Lieferung an den schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystin sowie Threonin und Tryptophan aus. Dies wird anhand der Relationen der Aminosäuren Lysin : Methionin/Cystin : Threonin : Tryptophan ersichtlich. Das Verhältnis beträgt beim Sojaextraktionsschrot 100 : 47 : 63 : 21 und bei Ackerbohnen 100 : 29 : 56 : 14. Mit 100 : 55 : 65 : 16 erreichen die Lupinen dagegen eine fast identische Relation. Zur Einstellung einer bedarfsgerechten Lysin : Methionin/Cystin : Threonin : Tryptophan-Relation von 100 : 60 : 20 beziehungsweise 53 : 65 : 19 in der Sauen- und Mastschweinefütterung sind also neben einer Ergänzung von freiem Lysin immer auch Ergänzungen von freiem Methionin über das Mineral- oder Ergänzungsfutter einzuplanen, um keine Unterversorgung mit dem unter anderem für den Gewebe- und Darmaufbau notwendigen Methionin und Threonin zu haben. Eine verringerte Leistung, einhergehend mit Vitalitätsverlusten, ist ansonsten sicherlich eine mögliche Folge.

In der ökologischen Schweinefütterung wird dieses Methionin- und Threonindefizit deshalb auch vielfach als begrenzender und die Leistung und Vitalität negativ beeinflussender Tatbestand bemängelt. Wie der Tabelle 2 zu ersehen ist, kann ein Teil dieses Defizites mit dem Einsatz von Rapskuchen begegnet werden. Allerdings nur teilweise, weil die absolute Konzentration an pcv Methionin und Threonin in Kombination mit einer zu geringen Futterakzeptanz bei hohen Rapskuchenanteilen zu berücksichtigen ist. Einsatzanteile von über 5 bis 10 % Rapskuchen in Kombination mit Körnerleguminosen sollten unterbleiben.

Versuchsergebnisse und Empfehlungen

Im Landwirtschaftszentrum Haus Düsse sind Fütterungsversuche mit Körnerleguminoseneinsatz bei konventionell und ökologisch gefütterten Ferkeln und Mastschweinen durchgeführt worden. Dabei konnte festgestellt werden, dass in der konventionellen Mast gleich gute Leistungen mit einer geringen Körnerleguminoseneinsatzmenge von maximal 8 bis 15 % und Ausgleich des Aminosäurendefizites über zusätzlichen Einsatz freier Aminosäuren im Vergleich zum Sojaextraktionsschrot möglich sind. Bei höheren Einsatzanteilen ohne AS-Supplementierung von 20 bis 30 % in der Anfangs- und Endmast erbrachte ein Toasten der Ackerbohnen keine signifikanten Leistungsverbesserungen. Gleich gute Mastleistungen traten in einem Versuch mit höherem Körnerleguminoseneinsatz von bis zu 25 % auf, wenn gleichzeitig zur Sicherstellung der Eiweißversorgung ein 5-prozentiger Kartoffeleinsatz erfolgte.

In Versuchen zur ökologischen Ferkelfütterung erbrachte das Toasten von Ackerbohnen in Kombination mit thermisch behandelten Weizenflocken im ersten und zweiten Ferkelaufzuchtfutter mit 20 % Ackerbohnen und 20 % Weizenfutterflocken im zweiten FAZ gleich gute Leistungen wie der Einsatz von 5 % Kartoffeleiweiß zur Deckung des Aminosäurenbedarfs. Aus diesen Versuchen und den Erfahrungen sollten für die Futteroptimierungen zunächst die Einsatzempfehlungen der Tabelle 3 berücksichtigt werden.

In dieser Übersicht werden jeweils zwei Empfehlungen gegeben: Die erste Empfehlung für eine unbehandelte Körnerleguminose und der zweite Wert für getoastete Ackerbohnen, Erbsen oder Lupinen. Demzufolge sollten Ferkel im zweiten Aufzuchtfutter ab 15 kg Lebendgewicht bei einer konventionellen Fütterung maximal 5 % Ackerbohnenanteil im Futter enthalten - dieser Anteil kann auf 10 % erhöht werden, wenn die Ackerbohnen getoastet wurden. In der ökologischen Ferkelfütterung ab 15 kg Lebendgewicht sollte eine Einsatzbegrenzung bei 10 und 20 % für unbehandelte oder getoastete Ackerbohnen erfolgen.

Wirtschaftlichkeit und Einsatzwürdigkeit

Für einen sinnvollen Einsatz bei Sauen, Ferkeln und Mastschweinen spielt die Kosten-Nutzen-Relation einer Strategie natürlich mit eine entscheidende Rolle. In den Betrieben sollten daher stets die Kosten der Komponenten auf Basis ihrer Lysin- und Energielieferung verglichen werden. In der Tabelle 4 sind sogenannte Gleichgewichtspreise für verschiedene Proteinfuttermittel für die konventionelle und ökologische Fütterung über unterstellte Preise für stärker im Einsatz befindliche Energie- und Proteinfuttermittel errechnet worden. Für die konventionelle Berechnung wurden Weizen und Sojaextraktionsschrot mit 19,00 beziehungs 33,00 € je dt und für die ökologische Berechnung Weizen und Sojakuchen mit 36,00 und 70,00 € je dt als Vergleichsfutter ausgewählt und verrechnet. Auf diese Art und Weise errechneten sich für konventionelle oder ökologische Ackerbohnen ein Gleichgewichtspreis von 26,10 beziehungsweise 50,30 € je dt und für die Erbsen 26,70 beziehungsweise 51,20 €/dt.

Wie beschrieben, hängt diese vom Gehalt wertbestimmender Gehalte und vom Marktpreis ab. Für eine reibungslose Fütterung ist die Gleichmäßigkeit des Futters hinsichtlich Zusammensetzung beziehungsweise ein langsamer Futterwechsel sehr wichtig. Es müssen also genügend Mengen für einen längeren Zeitraum zur Verfügung stehen. Ansonsten lohnt ein Einsatz eher weniger. Für die sichere Qualitätsbeurteilung ist eine Futteruntersuchung stets Voraussetzung. Bei einer betriebseigenen Konservierung und Lagerung von Körnerleguminosen sind die Besonderheiten dieser Früchte zu bedenken. Eine Trocknung ist aufgrund der Korngrößen nicht so leicht möglich wie beim Getreide. Der Feuchtegrad ist ebenfalls unter 15 % Restfeuchte für die Lagerung einzustellen. Wenn ein Toasten beabsichtigt ist, ist mit einer Kombination von Trocknung und Aufschluss nur ein Arbeitsschritt notwendig. Bis zum Toasten ist dann aber eine Kühlung des frischen Erntegutes notwendig.

Autor: Dr. Gerhard Stalljohann