Ergänzungsfutter im Test

Tragende Sauen an der AbrufstationBild vergrößern

Kommentierung von VFT-Prüfergebnissen zu 11 Ergänzungsfuttern für Schweine.

Im Zeitraum von Januar bis März 2017 wurden in Nordrhein-Westfalen insgesamt 11 Ergänzungsfutter für Schweine beprobt, untersucht und bewertet. Die Futterproben stammten von 9 Mischfutterwerken. Im Einzelnen handelte es sich um vier Ergänzungsfutter für Mastschweine, drei Ergänzungsfutter für Zuchtsauen und vier Ergänzungsfutter für Ferkel.

Von den vier Mastergänzungsfuttern können laut Deklaration zwei den eiweißreichen Ergänzungsfuttern mit 36,0 % und mehr Rohprotein zugerechnet werden. Die Schwankungsbreite aller Ergänzungsfutter für Mastschweine reichte von 28,0 bis 38,4 % Rohprotein. Die Lysingehalte der Mastergänzer reichten von 2,00 bis 3,30 %. Reine Methioninangaben schwankten von 0,47 bis 0,73 % Methionin, bei einem Futter waren 0,62 % Methionin-Äquivalent angegeben.

Die drei Ergänzungsfutter für Zuchtsauen wiesen laut Deklaration 16,5 – 19,8 % Rohprotein bzw. 0,70 – 1,53 % Lysin und 0,28 bzw. 0,50 % Methionin sowie 0,52 % Methionin-Äquivalent auf. Die großen Spannbreiten der Rohprotein- sowie Lysingehalte der Mast- und Zuchtsauenfutter hängt mit den Einsatzbereichen und Mischungsanteilen zusammen.

Die vier untersuchten Ergänzungsfutter für Ferkel enthielten laut Deklaration 25,2 bis 31,0 % Rohprotein sowie 2,60 bis 3,30 % Lysin. Für zwei Ferkelergänzer waren 0,80 bzw. 0,93 % Methionin und für zwei weitere jeweils 0,80 % Methionin-Äquivalent deklariert.

Teils wurde Methionin-Hydroxy-Analog als Methionin-Quelle eingesetzt, was bei den Inhaltsstoffen in der Angabe „Methionin-Äquivalent“ einbezogen ist (Ferkelfutter). Mangels Angaben zu einem MHA-Zusatz scheint es sich bei den Ergänzern für Mast- und Sauenfuttern um einen reinen Methionin-Gehalt zu handeln.

Für vier der untersuchten Ergänzungsfutter war ein Energiegehalt deklariert. Die deklarierten Energiegehalte schwankten von 8,9 bis 13,7 MJ ME je kg. Diese Angabe hilft dem Landwirt dabei, einen gezielteren Futtereinsatz über die Berechnung des Energiegehaltes für die Futtermischung bzw. eine genaue Futterzuteilung auf Basis einer betriebs- bzw. leistungsbezogenen Futterkurve zu erreichen. Zur Berechnung des Energiegehaltes in Ergänzungsfuttern steht seit Herbst 2010 die neue futtermittelrechtlich geltende Mischfutterformel zur Verfügung.

Die deklarierten Calcium- und Phosphorgehalte aller Ergänzer schwankten von 1,10 bis 2,80 % Calcium bzw. von 0,70 bis 1,00 % Phosphor. Bis auf einen war allen Ergänzern zur besseren Verwertung des pflanzlich gebundenen Phosphors mikrobiell hergestellte Phytase zugesetzt. Dies ermöglicht ein geringeres Brutto-Phosphorangebot, aber auch niedrigere Brutto-Calciumgehalte, weil eine höhere Verdaulichkeit des Phytin-Phosphors eine geringere Phosphor-Ergänzung aus anorganischen Quellen gestattet.

Vier abweichende Befunde

Bei vier Ergänzungsfuttern wurden die Deklarationen unter Beachtung der futtermittelrechtlich vorgesehenen Toleranzen nicht bestätigt. Beim Ergänzungsfutter MiXX Lakto 95769 Verhaag kr des Futterunternehmens ForFarmers aus Lochem in den Niederlanden wurde statt 1,83 % deklariert nur 1,27 % Calcium analysiert.

Im Ergänzungsfutter für Ferkel deuka primovita F, Mehl des Herstellers Deutsche Tiernahrung Cremer aus Düsseldorf wurden zwei Abweichungen festgestellt, statt 2,20 % konnten nur 1,99 % Calcium und statt 1,00 % nur 0,72 % Phosphor analysiert werden. Beim Ergänzungsfutter für Ferkel Blattivit Blattimix 45 des Herstellers Höveler aus Dormagen wurde ein deutlich zu hoher Calciumgehalt analysiert, statt 1,10 % ergab die Analyse 2,88 % Calcium.

Ein Futter erhielt nur die Bewertung 2

Neben der Überprüfung der Deklarationen erfolgte eine fachliche Bewertung der Nährstoffgehalte nach Einsatzzweck. Dazu werden die Nährstoffgehalte der verfütterten Mischung anteilig aus dem Ergänzer und einer Gerste-Weizen-Mischung (bzw. anderen Komponenten laut Fütterungshinweis) berechnet und mit den Anforderungen für ein Alleinfutter für den jeweiligen Einsatzbereich verglichen. Für den Einsatz bei der richtigen Tiergruppe sollten Bezeichnung und Fütterungshinweis aussagefähig sein. Beim Futter BIGG T 45 KR. von Haneberg & Leusing ist nicht erkennbar, ob es im Säuge- oder Tragebereich empfohlen wird, weshalb der ungenaue Einsatzzweck moniert wird. Laut Nachfrage ist das Futter für tragende Sauen einzusetzen, die entsprechenden Anforderungen werden erfüllt. Der zu hohe Calciumgehalt bei Blattivit Blattimix 45 wird gerügt, führt aber noch nicht zu einer Abwertung. Das Ergänzungsfutter für Ferkel deuka primovita F, Mehl des Herstellers Deutsche Tiernahrung Cremer aus Düsseldorf erhielt aufgrund eines Phosphor-Untergehaltes nur die Note 2.

Alle anderen Ergänzer erhielten mit der Note 1 die Bestbewertung.

Die vorliegenden Testergebnisse gelten nur für die geprüften Futterlieferungen. Sie erlauben auch keine Rückschlüsse auf übrige Produkte der Hersteller.

Hinweis

Ausführliche Erläuterungen zu Richtwerten, zur Vorgehensweise sowie zur Bewertung der Futter durch den VFT sind unter www.futtermitteltest.de einsehbar. Dort sind dort auch Tests aus anderen Regionen aufgeführt.

Autor: Dr. Gerhard Stalljohann