Steigende Futterkosten - bei AutoFOM-Vermarktung Schweine früher verkaufen?

Mastschweine

Der Leistungsparameter “Futterverbrauch je kg Zuwachs“ (Futterverwertung = FuV) gewinnt aktuell aufgrund der steigenden Futterkosten eine größere Bedeutung. Die FuV ist die Kombination der Merkmale “Futteraufnahme“ und “tägliche Zunahme“. Beide Parameter verändern sich im Verlauf der Mast. Junge Tiere fressen wenig, verwerten das Futter aber deutlich besser als ältere Tiere. Ferkel realisieren z.B. ein FuV von 1 : 2, während Mastschweine am Ende gut und gerne auch schon bis zu 5 kg Futter benötigen, um 1 kg zuzunehmen. Deshalb wird zum Mastende jedes zusätzlich erzeugte kg Schlachtgewicht (SG) mit steigendem Aufwand erzeugt. Dieser Zusammenhang wird betriebswirtschaftlich mit dem Begriff “Grenzkosten“ beschrieben. Deshalb sind diese Grenzkosten bei steigenden Futterpreisen genauer unter die Lupe zu nehmen. Auf der Erlösseite ist die Situation ähnlich. Schweinemäster sollten sich daher bei der Vermarktung nach AutoFOM nicht alleine am maximalen Erlös je kg SG orientieren. Zur Optimierung des SG ist wie bei den Kosten auch hier eine Grenzwertbetrachtung erforderlich. Durch die Schlachthof spezifisch angewandten AutoFOM-Abrechnungssysteme wird das jeweils nächste kg SG ggf. anders bezahlt als das vorhergehende. Dieser Grenzerlös hängt dabei von den zahlreichen Schwellenwerten im Abrechnungssystem ab. Ein Punktabzug erfolgt z.B. bei zu schweren oder zu leichten Schinken oder zu fetten Bäuchen. Auch übergewichtige Bäuche werden gemaßregelt.

Das optimale SG ist immer dann erreicht, wenn die Grenzkosten den Grenzerlös erreichen! (Abb. 1) Unter den angegebenen Kalkulationsansätzen liegt das Schlachtgewichtsoptimum bei etwa 93 kg SG. Diese Aussage gilt für Schweine, die im Mittel 50 – 52 % Fleischanteil im Bauch (51,2 %) haben und nach dem Tönnies- Abrechnungssystem mit 1,45 € / Indexpunkt bezahlt werden. Aus der Vielzahl der Ansätze wird auch deutlich, dass es für die Findung dieses Optimums keine allgemeingültige Empfehlung gibt, vielmehr müssen die einzelbetrieblichen Bedingungen berücksichtigt werden. Die Beantwortung der Frage nach den optimalen SG hängt auch nicht allein von den Futterkosten ab. Für eine derartige betriebsspezifische Grenzwertbetrachtung haben die Berater des Erzeugerrings Westfalen und der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen ein EXCEL-Arbeitsblatt entwickelt (Abb. 2).

Die Erlössituation kann von angeschlossenen Betrieben aus der INFOSYS-Datenbank per Internet importiert werden (Abb. 2, Spalte 1 – 3). Um die Aussage möglichst belastbar zu gestalten, sollten einzelbetrieblich mindestens Daten aus einem ganzen Jahr berücksichtigt werden. Alternativ kann eine Zusammenfassung vergleichbarer Betriebe die Datengrundlage vergrößern. Für Betriebsgruppen reichen dann schon Daten aus einem Quartal. Es hat sich als zweckmäßig erwiesen, die Gruppierung nach der “Qualität“ der vermarkteten Schweine durchzuführen. Als Merkmal bietet sich hier der Parameter “Fleischanteil im Bauch“ an. Dieser Parameter steht in direktem Zusammenhang zum Fleischanteil des Schlachtkörpers insgesamt und fällt im Rahmen der AutoFOM-Klassifizierung an.

In die weiteren Betrachtungen gehen insgesamt ca. 1,5 Mio. Datensätze aus den Schlachtunternehmen Tönnies, Westfleisch und Tummel ein mit durchschnittlich 94,8 kg SG, 0,972 Indexpunkten je kg SG und durchschnittlich 52,4 % Fleischanteil im Bauch ein (Abb. 3). Mehr als die Hälfte der Tiere kommt dabei in die Gruppe mit 52 – 54 % Fleischanteil im Bauch.

Nach dem Einlesen der Verkaufsdaten aus den vergangenen Schlachtungen über INFOSYS gilt es in einem zweiten Schritt, die betriebsspezifischen Vermarktungsdaten sowie die Kennzahlen zur Produktion einzugeben. Nach Eingabe des Preisfaktors je kg SG ermittelt die Anwendung den Grenzerlös (Abb. 2, Spalte 6).

Zur Ermittlung der Grenzkosten sind nun Daten aus dem Mästerstall erforderlich. Wegen fehlender exakter Wiegedaten muss hier in der Regel auf Schätzungen zurückgegriffen werden. Die Futterkosten je kg SG werden aus den mittleren täglichen Zunahmen in Verbindung mit einem “Zunahmeabzug je kg SG-Klasse“, dem Futterverbrauch pro Tag, dem Futterpreis und der Ausschlachtung ermittelt. Der Zunahmeabzug spiegelt dabei den Rückgang der täglichen Zunahme am Ende der Mast wieder. Kalkuliert man jetzt noch weitere Kostenfaktoren wie Festkosten, Arbeitskosten, Zinsansätze, etc. so ermittelt die Anwendung die Grenzkosten des letzten erzeugten kg SG (Abb. 2, Spalte 14). Der Anteil der Futterkosten daran ist mit ca. 73 % dabei dominierend.

Ziel der weiteren Modellrechnungen soll die Ermittlung des optimalen SG allein in Abhängigkeit vom Futterpreis (€ / kg Futter) sein. Alle anderen Ansätze bleiben unverändert.

Die Ferkelkosten werden bei einer solchen Grenzwertbetrachtung übrigens nicht berücksichtigt. Diese sind vielmehr in der Kalkulation zur Optimierung der Wirtschaftlichkeit im Durchschnitt eines Jahrs oder bezogen auf einen Mastplatz einzubeziehen.

Steigende Futterkosten – sinkendes Schlachtgewicht

Unabhängig von den verschiedenen AutoFOM-Abrechnungssystemen wird deutlich, dass je 2 €-Cent Futterpreiserhöhung die Schlachtgewichte um 1-2 kg zurückgenommen werden sollten. Dies gilt in nahezu allen Qualitätsklassen und allen betrachteten Abrechnungssystemen. Die dargestellten exakten 1-kg-Schritte sind dabei das Ergebnis der Klassenbildung beim SG.

Deutlich wird auch, dass das optimale SG generell zwischen den Qualitätsklassen ebenfalls um 1-2 kg variiert. Die bisherige Beratungsempfehlung, magere Schweine auf jeden Fall leichter zu verkaufen, wird auch in dieser Auswertung bestätigt. Auch das Abrechnungssystem der Schlachthöfe erfordert eine entsprechende Reaktion der Mäster: Je nach Abrechnungsmaske und Qualitätsniveau der Schweinepartien kann das optimale SG um 1-2 kg auseinander liegen (Abb. 5). Masken, die bei den Fleischpartien “nach oben etwas offener“ sind, erlauben konsequenterweise bei mageren Schweinen auch ein etwas höheres Mastendgewicht (Abb. 5, System 2 bei Tieren mit > 52 % Fleischanteil im Bauch).

Sauen und Kastraten unterschiedlich verkaufen

Aufgrund der unterschiedlichen Futteraufnahmen von Sauen und Kastraten sowie des unterschiedlichen Fleisch- und Fettansatzes der beiden Geschlechter gestalten sich die Grenzerlöse und Grenzkosten bei Sauen und Kastraten ebenfalls unterschiedlich. Je nach Fleischanteil im Bauch sollten Sauen 1 – 2 kg leichter verkauft werden (Abb. 6).

Fazit

Die Frage nach dem optimalen SG wird vor dem Hintergrund steigender Futterkosten zunehmend wichtig, da schwere Schweine eine ungünstige FuV aufweisen. Bei steigendem Gewicht wird zunehmend Fett angesetzt. Dies benötigt etwa doppelt so viel Energie wie der Ansatz von Fleisch.

Die Betrachtung von Erlösen und Kosten des jeweils letzten kg Schlachtgewichts ist ein geeignetes Instrument, um den optimalen Verkaufszeitpunkt zu ermitteln. Bezogen auf dieses letzte erzeugte kg SG steigen die Grenzkosten kontinuierlich, und der Grenzerlös sinkt zum Ende der Mast. Das Ausmaß der Veränderungen ist betriebsspezifisch und wird stark von den Leistungseigenschaften der Tiere beeinflusst. Mit Hilfe einer EXCEL-Anwendung kann dieses Optimum betriebsindividuell ermittelt werden.

Dafür sind notwendig: Bisher erzielte Vermarktungsergebnisse und Daten zu den Produktionskosten im Betrieb, wobei die Futterkosten ca. ¾ der Grenzkosten ausmachen. Steigen die Kosten um 2 €-Cent / kg Futter, sollte das SG um 1 – 2 kg reduziert werden. Geschlechtsbezogene Einflüsse sowie die Besonderheiten der von dem Schlachthof angewandten Abrechnungssysteme sind ebenfalls zu beachten.

Optimales Schlachtgewicht nach AutoFOM

Mit Hilfe von “Echtdaten“ aus der Schlachtschweinevermarktung in Verbindung mit betriebsspezifischen Daten über die Produktionsverhältnisse im Endmastbereich bietet die EXCEL-Anwendung eine einfache Möglichkeit, das optimale SG zu ermitteln. Die Vermarktungsdaten können aus der Internet gestützten Datenbank von INFOSYS herunter geladen und eingefügt werden.

Die Berater des Erzeugerringes Westfalen und die Geschäftsführer der Schweinemast- Arbeitskreise der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen können das Arbeitsblatt betriebsindividuell einsetzen. Eine Voraussetzung ist die Lieferung der Schlachtdaten in die INFOSYS Datenbank. Interessierte Landwirte, die das System noch nicht nutzen, sollten eine entsprechende Datenschutzerklärung abgeben. Liefert der Schlachthof dann die Daten, steht diesem Optimierungsschritt nichts mehr im Weg.

Autor: Dr. Friedhelm Adam, Franz-Josef Hartmann