Brief eines jungen Landwirts…

Jasper Becker
Jasper Becker

Bauer Willi erhielt kürzlich einen Brief vom jungen Landwirt und angehenden Staatlich geprüften Agrarbetriebswirt Jasper Becker. Diesen hat er unter www.bauerwilli.com veröffentlicht. Hier die überarbeitete und leicht gekürzte Fassung des Schreibens:

"Lieber Bauer Willi,

Sie hielten heute Morgen einen Vortrag zum Thema Öffentlichkeitsarbeit. Unter den Zuhören waren auch sehr viele Junglandwirte, alles Fachschüler der Fachschule Münster Wolbeck. Zu dieser Gruppe gehörte auch ich. Da unsere Generation mit den sozialen Netzwerken aufwächst, werden wir Junglandwirte immer öfter mit der Meinung von Verbrauchern über unseren Beruf konfrontiert. Mit diesen Leuten in eine fachliche Diskussion zu kommen ist meist sehr schwer. Denn was weiß der Durchschnittsbürger schon von der Landwirtschaft? Wir Landwirte haben diesen Beruf erlernt, wir sind teilweise auf einem Betrieb groß geworden und wir üben diesen Beruf mit voller Leidenschaft aus.

Ich selber bin 22 Jahre alt und besuche nun die Fachschule in Münster-Wolbeck. Ich komme aus dem Rheinland, habe jedoch keinen Betrieb zu Hause. Mein Interesse an der Landwirtschaft wurde schon sehr früh geweckt. Meine ganzen Ferien verbrachte ich mit meinen Eltern auf einem Bauernhof. Mir war damals schon klar, dass ich diesen tollen Beruf erlernen möchte. Meine Eltern hinderten mich nicht daran, sondern waren und sind sehr interessiert an diesem Thema.

Wie Sie schon sagten, müssen wir nicht einfach die Fakten erklären und darstellen, warum wir etwas machen und wie wir es machen. Wir müssen vielmehr den Dialog suchen und ihn über die gestellten Fragen hinaus weiterführen. Nur wir können das Bild der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit verändern. Wir müssen den Menschen die Dinge und unser Handeln erklären, anhand ganz praktischer Beispiele. So habe ich letztes Jahr auf einem Ackerbaubetrieb in Schleswig- Holstein gearbeitet, der an der Aktion „Tag des offenen Hofes“ teilnahm. Es kamen viele Menschen aus der Nachbarschaft, aus Hamburg und Umgebung. Wir Mitarbeiter und der Chef erklärten den ganzen Tag fleißig unser Tun und beantworteten Fragen. Dabei kam uns der Gedanke: „Ist es eher witzig oder eher traurig, dass viele Leute zum Beispiel Weizen von Gerste nicht unterscheiden können?“ Schnell waren wir uns alle einig, dass es traurig ist. Denn dieselben Leute, die offensichtlich keine Ahnung von unserem Beruf haben, wollen uns vorschreiben, wie wir zu produzieren hätten. Diese Leute bilden sich ihre Meinung wohlmöglich über Medien wie die sozialen Netzwerke.

Wir unterhielten uns am Tag danach lange über die Veranstaltung und gelangten zu dem Entschluss: Der Aufwand hat sich auf jeden Fall gelohnt! Denn wie schnell und einfach man den interessierten Besuchen die Dinge erklären konnte, das war einfach verblüffend. So hatten wir eine Plastikdose mit dem Fassungsvermögen von 100 ml. Bei der Vorstellung, dass wir diese geringe Menge als Pflanzenschutzmittel auf 1,5 Fußballfeldern verteilen, staunten die Menschen nicht schlecht. Aussage: „Und ich kippe immer eine ganze Flasche davon in die Gießkanne und dusche damit die 20qm Terrasse ab!“ Und wenn man dann noch erklärt, dass wir Landwirte mit unserer modernen Spritztechnik einen viel feineren Spritznebel erzeugen und so die Wirkung der Pflanzenschutzmittel optimieren können, dann sind die Zuhörer völlig erstaunt. Den Menschen ist eben nicht klar, dass wir Landwirte wissen was wir tun und dass unser Tun begründet ist. Wir spritzen oft nachts, weil nachts keine Bienen in den Pflanzenbeständen sind. Wir müssen den Wind berücksichtigen und spritzen daher auch schon mal am Wochenende. Und wir dreschen doch nicht sonntags, um uns vor dem Besuch des Gottesdienstes zu drücken, sondern weil uns die Witterungsverhältnisse dazu zwingen.

Wir wollen bei unserer Arbeit die Natur und den Boden, unser kostbarstes Gut, optimal schützen. Wir haben den Beruf gelernt, wir sind geschult, wir haben die Erfahrung mit Düngemitteln, Pflanzenschutzmitteln und Medikamenten. Und dennoch kenne ich keinen anderen Beruf als den des Landwirts, über den so viele Menschen schlecht reden. Angeblich sollen alle Beamten faul sein, die Handwerker nur pausieren, Dreck hinterlassen und unpräzise arbeiten. Aber redet diesen Menschen irgendwer hinein, wie sie Ihre Arbeit zu verrichten hätten? Nein. Uns Landwirten versuchen dagegen immer mehr Menschen unseren eigenen Beruf zu erklären. Daher kann ich Sie nur unterstützen und möchte ebenfalls für die Notwendigkeit einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit werben. Auch wenn „es hauptsächlich für die nächste Generation“ ist, wie Sie sagten. Und wir Junglandwirte müssen uns oft genug für unsere Berufswahl rechtfertigen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrem „REGIO DAY“ und weiterhin viele interessante und anregende Gespräche mit diskussionsfreudigen und lernwilligen Mitbürgern!

Mit freundlichen Grüßen

Jasper Becker"