Landwirtschaft in der Region der Kreisstelle Olpe

Der Kreis Olpe ist durch eine vielfältige Oberflächengestalt mit stark wechselnden Höhenlagen, ein dichtes Gewässernetz, einen hohen Waldanteil sowie ungünstige Klimaverhältnisse geprägt. Er gehört mit seiner gesamten Fläche zur Kulisse der benachteiligten Gebiete in der Europäischen Union. Diese Fakten bestimmen naturgemäß die landwirtschaftlichen Nutzungsmöglichkeiten in maßgeblicher Weise und nehmen damit erheblichen Einfluss auf die Struktur der landwirtschaftlichen Betriebe. Entsprechend sind diese durch einen relativ hohen Waldanteil an der Betriebsfläche und durch einen außerordentlich hohen Grünlandanteil gekennzeichnet. Die im westfälisch-lippischen Vergleich unterdurchschnittliche Betriebsgröße der hiesigen land- und forstwirtschaftlichen Betriebe hat zu einer ständig zunehmenden Nebenerwerbslandwirtschaft geführt.

Tabelle 1: Betriebsstruktur im Kreis Olpe im Vergleich
Quelle: Sozialökonomische Betriebserhebung der Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe 1996 (Betriebe ab 5 ha Landwirtschaftliche Fläche)

  Kreis Olpe Westfalen-Lippe
Ø Betriebsgröße (ha) 23,8 31,9
Anteil Nebenerwerbsbetriebe % 50 19
Grünlandanteil % 85 24
Pachtflächenanteil % 45 37
Ø Zahl der Milchkühe 2823
Mutterkühe in % aller Kühe 3812
Ø Zahl der Mastschweine pro Jahr 349 574
Ø Waldfläche je Betrieb 21,610,9

Aus den Tabellen 1 und 2 ist abzulesen, dass die durchschnittliche Betriebsgröße im Kreis Olpe mit 23,8 ha deutlich unter der Westfalen-Lippes liegt, dass gleichzeitig aber die Waldfläche je Betrieb - über 80% der hiesigen Betriebe bewirtschaften Wald - hier deutlich über dem westfälischen Schnitt liegt. Beides führt zu dem recht hohen Anteil an Nebenerwerbsbetrieben und zu einer gewissen Stabilität der Betriebe. Nicht umsonst spricht man gern vom Wald als der "Sparkasse" der Bauern.

Der extrem hohe Grünlandanteil von 85% - nur im Nachbarkreis Siegen-Wittgenstein liegt er mit 89% noch höher - an der landwirtschaftlichen Nutzfläche zwingt die landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe zur Milchviehhaltung, da man nur über diesen Produktionszweig auf Grünland ein ausreichendes Familieneinkommen erwirtschaften kann. Die schwierigen agrarpolitischen Rahmenbedingungen insbesondere der letzten 10 - 15 Jahre haben aber dazu geführt, dass verstärkt Betriebe die Milchviehhaltung aufgegeben und zur Mutterkuhhaltung gewechselt haben. Oft ging ein Wechsel in den Nebenerwerb mit diesem Schritt einher. Heute ist mehr als jede dritte Kuh im Kreis eine Mutterkuh, die überwiegend in Betrieben steht, die nach den Richtlinien des Extensivierungsprogrammes des Landes Nordrhein-Westfalen oder nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus wirtschaften. 

Der Ackerbau ist in weiten Teilen des Kreises wegen der Boden- und Klimaverhältnisse unrentabel und spielt daher eine untergeordnete Rolle, was ebenso für die Schweinehaltung im Kreis Olpe gilt, die im Landesvergleich doch in erheblich kleinerem Umfang betrieben wird.

Tabelle 2: Entwicklung der Betriebsstruktur im Kreis Olpe
Quelle: Sozialökonomische Betriebserhebung der Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe (Betriebe ab 5 ha)

  1982 1988 1996
Zahl der Betriebe
davon Nebenerwerbsbetriebe in %
863
46
739
48
591
50
Verhältnis Acker : Grünland 27 : 73 20 : 80 15 : 85
Zahl der Betriebe mit Milchkühen
davon % aller Betriebe
560
67
391
52,9
217
36,7
Zahl der Milchkühe insgesamt 7.778 7.394 6.126
Zahl der Kühe je Halter Ø 13,9 18,9 28,2
Mutterkuhhalter
davon % aller Betriebe
151
18
276
36,1
294
49,7
Zahl der Mutterkühe / je Halter Ø 1074 / 7,1 2416 / 9,0 3696 / 12,6

Die Entscheidungen in den land- und forstwirtschaftlichen Betrieben sind - wie in anderen Wirtschaftsunternehmen auch - von den jeweils geltenden und voraussehbaren Rahmenbedingungen abhängig. Die Frage, ob der Betrieb auf Dauer weiter bewirtschaftet werden kann, ob im Haupt- oder Nebenerwerb, ob mit Milchkühen oder anderer Viehhaltung, ob unter Hinzuziehung von Einkommensalternativen wie Direktvermarktung, Urlaub auf dem Bauernhof, Bauernhofcafé, Dienstleistungen für Kommunen oder Naturschutz und dergleichen mehr, muss in den bäuerlichen Familien ständig neu diskutiert und entschieden werden. Diese Entscheidungen werden von den verschiedensten Faktoren bestimmt.

So wurden und werden auch in Zukunft die Veränderungen in der Milchviehhaltung im Kreis Olpe von der Milchpreisentwicklung, von den Leistungssteigerungen bei den Milchkühen sowie den Preisen für Milchquoten beeinflusst. Wie aus der nachstehenden Grafik abzulesen ist, hat sich der Milchpreis trotz Quotenregelung und damit beabsichtigter Preisstabilität durch Mengenbegrenzung ständig nach unten bewegt.

Abbildung 1: Milchpreisentwicklung seit 1987
(ab Hof für 3,7 % Fett und 3,4 % Eiweiß - Pfennig pro kg inkl. MwSt.)

Milchpreisentwicklung seit 1987

In dem Zehn-Jahres-Zeitraum von 1989 bis 1999 betrug der Preisrückgang über 20%, wobei der deutlichste Verfall im Zeitraum 1989 bis 1997 zu beobachten ist!! Nach einer kurzen Erholung im Jahr 1998 ist der Milchpreis nun wieder auf Talfahrt und wird nicht zuletzt durch die Agenda-2000-Beschlüsse weiter sinken. Marktbeobachter halten einen Rückgang der Erzeugerpreise bis auf ca. 0,50 DM in den nächsten 8-10 Jahren für möglich. Die negative Preisentwicklung zwang und zwingt die Landwirte zur Senkung der Stückkosten je Liter Milch. Neben produktionstechnischen Maßnahmen gelingt dies vor allem durch eine Steigerung der Milchleistung pro Kuh, da es billiger ist, viel Milch mit möglichst wenig Kühen zu produzieren. Wie Tabelle 3 zeigt, konnte die Milchleistung auch in den Betrieben des Kreises Olpe kontinuierlich gesteigert werden. Diese Leistungssteigerung betrug in dem genannten 10-Jahreszeitraum über 1400 kg je Kuh und Jahr.

Tabelle 3: Milchleistung im 10 Jahreszeitraum 1988 - 1998 -kg je Kuh und Jahr-
Quelle: Landeskontrollverband Westfalen-Lippe

Kreis 1988 1993 1998
Ennepe Ruhr 5845 6532 6879
Hochsauerland 5885 6463 6924
Märkischer Kreis  5493 6404 6692
Siegen-Wittgenstein 5600 6346 6658
Olpe 5435 6294 6873

Im Jahr 1999 konnte die Leistung um weitere 83 kg auf 6956 kg gesteigert werden. In 15 Milchviehbetrieben des Kreises Olpe wurde ein Stalldurchschnitt von über 8.000, in 2 Betrieben sogar von über 10.000 kg je Kuh und Jahr ermolken. Diese Leistungssteigerung machte so manche Kuh überflüssig. Hinzu kam die Aufgabe der Milchviehhaltung in den Betrieben aus den verschiedensten Gründen - kein Hofnachfolger, kein Mut zu großen Investitionen oder auch sonstige familiäre Gründe -, so dass alle Faktoren gemeinsam dazu führten, dass die Milchkuhzahl von 1982 bis 1996 um gut 1600 Stück abnahm.

Leistungsschau
Moderne Hochleistungskühe auf der Kreistierschau in Olpe

Die Entwicklung in der Milchviehhaltung ist nicht am Ende und wurde im letzten Jahr bis Ende März 2000 noch einmal beschleunigt, da zum Stichtag 01. April 2000 die Milchquotenregelung auf ein Börsenmodell umgestellt wurde, das die Einflussmöglichkeiten des einzelnen Landwirtes auf die Preisgestaltung beim Quotenverkauf und -kauf erheblich reduziert. Viele Betriebe haben daher den sowieso irgendwann in näherer Zukunft geplanten Ausstieg aus der Milchproduktion vorgezogen und die starke Nachfrage nach Milchquoten für ihre Verhandlungen genutzt. Die Zahl der Milchvieh haltenden Betriebe ist damit noch einmal kräftig nach unten gegangen.

Zeitgleich aber gegensätzlich zu der Entwicklung in der Milchviehhaltung ist die Zahl der Mutterkuhbetriebe und der gehaltenen Mutterkühe um etwa die gleiche Größenordnung nach oben gegangen. Die Förderung der Mutterkuhhaltung und der extensiven Wirtschaftsweise durch die öffentliche Hand machte diese Form der Grünlandnutzung insbesondere für Nebenerwerbsbetriebe interessant. Mutterkühe beanspruchen einen deutlich geringeren Arbeitsaufwand, da das Melken entfällt und sie in der Haltung in der Regel anspruchsloser sind. Sie passen daher wesentlich besser in die Nebenerwerbsbetriebe. Staatliche Fördergelder für Milchviehhaltung gibt es nicht in einer vergleichbaren Größenordnung.

Die weitere Entwicklung der Landwirtschaft im Kreis Olpe ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Hier sind zunächst die agrarpolitischen Rahmenbedingungen auf europäischer Ebene zu nennen, die durch die Agenda-2000-Beschlüsse bis zum Jahr 2008 weitgehend vorgegeben sind. Diese sehen eine erhebliche Reduzierung der Erzeugerpreise bei gleichzeitigen Ausgleichszahlungen vor, wobei die Ausgleichszahlungen die Einbußen nur zu einem Teil wettmachen werden. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Beschlüsse und die anstehenden WTO-Verhandlungen auf das Preisgefüge auswirken werden und wie der Verbraucher auf das Warenangebot durch Weltmarkt und Globalisierung reagiert. Wird er - wie bisher die große Masse - weiterhin seine Kaufentscheidung am Preis ausrichten oder gewinnen regionale Vermarktung und Direktverkauf von Bauern an Verbraucher in Zukunft mehr an Bedeutung? Mit Sicherheit wird nur eine begrenzte Zahl von Landwirten einen höheren Preis für seine Erzeugnisse durch regionale und/oder Direktvermarktung erzielen können.

Familiäre Neigungen für bestimmte Betriebsausrichtungen spielen hier ebenfalls eine Rolle, denn nicht jeder Landwirt ist auch ein guter Verkäufer auf dem Wochenmarkt oder im eigenen Hofladen. Andere werden versuchen, Preisdruck durch Wachstum auszugleichen. Das alte Wort vom "Wachsen oder Weichen" wird auch weiterhin seine Gültigkeit behalten. Die Frage bleibt allerdings offen, welche Wachstumsmöglichkeiten in dieser Region realisiert werden können. Landwirtschaftliche Nutzfläche ist nicht vermehrbar und notwendige Arbeitskapazitäten oft nicht vorhanden. Zudem stoßen großflächige Bewirtschaftungsformen, wie beispielsweise in den neuen Bundesländern, hier sicherlich an natürliche Grenzen. Dabei wird auch die Frage, zu welchen Preisen Milchquoten zukünftig zur notwendigen Betriebsaufstockung zugekauft werden können, und zu welchen Bedingungen das Wachstum finanziert werden kann von entscheidender Bedeutung für wachstumswillige Betriebe sein. Investition um jeden Preis kann tödlich sein.

Salers-Rinder
Extensive Grünlandnutzung durch Mutterkuhhaltung - Herde der Spezialrasse Salers bei Kruberg -

Da heute ein nicht unerheblicher Teil der Einkommen unserer land- und forstwirtschaftlichen Betriebe aus staatlichen Ausgleichszahlungen stammt, gibt es neben dem Erzeugerpreisproblem eine weitere Unsicherheit, die die Zukunftsentscheidungen der Betriebsleiter nicht eben erleichtert. Das ist die Frage nach der Prämiensicherheit. Die Vielzahl von staatlichen Ausgleichszahlungen (Prämien) und Fördermaßnahmen ist bis zum Jahr 2008 weitgehend garantiert, doch weiß heute niemand, was dann folgt. Mutterkuhhaltung ist beispielsweise ohne Mutterkuhprämie, Extensivierungsprämie, Schlachtprämie und Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete nicht rentabel genug, um ein ausreichendes Einkommen aus der Landwirtschaft zu ermöglichen. Investitionen sind ohne entsprechende Förderprogramme, die praxisgerecht und unbürokratisch abgewickelt werden, nicht zu realisieren. Landwirtschaft ist als Wirtschaftszweig ein knallhartes Geschäft und ohne ein entsprechendes Einkommen nicht denkbar oder allenfalls Hobby oder Freizeitbeschäftigung für Gutbetuchte.

Eine weitere Sorge bereitet vielen Landwirten der ständig zunehmende Druck, der durch Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen auf ihre Betriebe ausgeübt wird. Die Unterschutzstellung landwirtschaftlicher Flächen, ob aus wasser-, landschafts- oder naturschutzrechtlicher Sicht, bringt für Land- und Forstwirte Bewirtschaftungseinschränkungen und damit Einkommensverluste mit sich. Unsicher ist dabei stets die Frage nach Entschädigungszahlungen. Verständlicherweise reagieren Land- und Forstwirte daher mit großer Skepsis und Abwehr auf Ausweisungen von entsprechenden Schutzgebieten, zumal für sie mit derartigen Maßnahmen auch zum Teil erhebliche Vermögensverluste durch Wertminderung der betroffenen Flächen verbunden sind. Insbesondere Planungen, die den Landwirten ohne Konsens "von oben" übergestülpt werden, wie zur Zeit die Ausweisung von FFH- und Vogelschutzgebieten, verunsichern den ganzen Berufsstand. Dabei sind grundsätzlich alle bereit, ihren Beitrag über den bewährten Vertragsnaturschutz zu leisten, wenn es betrieblich machbar ist.

Dorfansicht
Bäuerliche Kultur prägt unsere Dörfer - Bauernhof in Alperscheid

Tag für Tag gibt die Landwirtschaft dem einkaufenden Verbraucher ein Beispiel ihrer Leistungsfähigkeit bei der Produktion hochwertiger Nahrungsmittel. Wer offenen Auges durch unsere Landschaft geht oder fährt, sieht die enormen Leistungen der Landwirtschaft zum Erhalt dieser Kulturlandschaft. Beides muss gerade heute besonders hervorgehoben werden, wenn über die Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland und Europa und natürlich im auch Kreis Olpe diskutiert wird, denn nur eine leistungsfähige Landwirtschaft mit positiven Zukunftsperspektiven kann ihre Aufgabe in der Gesellschaft wahrnehmen. Zu diesen Aufgaben gehört neben der Nahrungsmittelproduktion auch eine beträchtliche Sozialfunktion im ländlichen Raum. Sie erhält und pflegt die Kulturlandschaft in den ländlichen Gebieten und gestaltet maßgeblich die Region für die Naherholung und den Fremdenverkehr. Diese wichtigen Aufgaben können nur wahrgenommen werden, wenn der Landwirtschaft dauerhaft verlässliche Rahmenbedingungen in Europa, dem Bund, dem Land und im Kreis sowie auf kommunaler Ebene geboten werden. Auch die jetzt anlaufenden Agenda 21-Prozesse können hier ihren Beitrag liefern, dass den heimischen Landwirten nicht zusätzliche Bewirtschaftungserschwernisse und damit Existenzprobleme vorgesetzt werden, sondern dass ihre elementaren Belange respektiert und ihre Rahmenbedingungen verbessert werden.

Auch unter akzeptablen Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft wird allerdings der Strukturwandel weitergehen. Durch die jeweils geltenden Verhältnisse wird lediglich das Tempo des Strukturwandels bestimmt. Man kann zufrieden sein, wenn pro Jahr nicht mehr als 2% der Betriebe aufgeben, wie es bisher über viele Jahre im Durchschnitt zu beobachten war. Wie aber wird die Landwirtschaft im Kreis Olpe zukünftig aussehen?

Jede Prognose unter derzeitigen Bedingungen ist Spekulation. Es ist aber davon auszugehen, dass auch in Zukunft Landwirtschaft im Kreis Olpe betrieben wird, wobei vermutlich eine Mischung aus verschiedenen Betriebsausrichtungen vorhanden sein wird. Den klassischen Haupterwerbsbetrieb mit spezialisierter Milchviehhaltung wird es, wenn auch in deutlich geringerer Zahl, weiterhin geben. Hierfür ist die Berufsausbildung der Nachfolgegeneration ein ganz entscheidender Faktor. Die Anforderungen an die zukünftigen Betriebsleiter werden immer höher geschraubt. Ihnen kann man nur mit einer qualifizierten Berufsausbildung begegnen, denn häufig ist die Qualifikation des Betriebsleiters entscheidender für den Fortbestand des Betriebes als Betriebsgröße und Milchkontingent. Die Berufsausbildung in der Landwirtschaft hat sich kontinuierlich verbessert und versetzt die jungen Landwirte in der Regel in die Lage, ihre Betriebe zukunftsorientiert zu führen. Der Rest ist eine Frage der Persönlichkeit jedes einzelnen.

Natürlich wird es auch den klassischen Nebenerwerbsbetrieb weiter geben, der von der Größenordnung her im Haupterwerb kein ausreichendes Familieneinkommen ermöglicht, der aber - ordentlich geführt - den Bewirtschaftern eine zusätzliche Einkommensquelle eröffnet. Das wird dann in der Regel der kleine bis mittlere Grünlandbetrieb mit Mutterkuhhaltung oder einer anderen Form der extensiven Grünlandnutzung sein.

Zwischen diesen beiden Betriebstypen wird es sicherlich eine gewisse Zahl von Betrieben mit den unterschiedlichsten Einkommenskombinationen geben. Zu den traditionellen Zuerwerbsformen gehört "Urlaub auf dem Bauernhof", das mit verschiedenen landwirtschaftlichen Produktionsrichtungen kombiniert werden kann und heute mit "Schlafen im Heu" und dergleichen neue Wege aufzeigt. Wem der Umgang mit Gästen liegt und wer die räumlichen Voraussetzungen hat, wird möglicherweise ein Bauernhofcafé eröffnen, das in Zusammenarbeit mit den Touristikorganisationen neue Einkommensmöglichkeiten erschließt. Die Direktvermarktung in Verbindung mit kleineren und speziellen Produktionseinheiten ist ein weiterer Weg, die Finanzsituation zu verbessern und kann auch in Kombination mit Fremdenverkehr und Gästebewirtung ein attraktiver Zuverdienst sein. Sicherlich gibt es noch weitere Möglichkeiten, wie die Übernahme kommunaler Pflegearbeiten, Tätigkeiten für den Naturschutz oder auch Alten- oder Krankenbetreuung auf dem Hof und schließlich Aufgaben im Landfrauen-Service, wie Haushaltsservice, touristische Aktionen oder das Ausrichten von Kindergeburtstagen auf dem Bauernhof. Letztlich muss jeder Landwirt mit seiner Familie entscheiden, welchen Weg man gehen möchte und auch kann. Das Bild vom Bauernhof jedenfalls wird sich ändern und ist auch in weiterer Zukunft sicherlich einem ständigen Wandel unterworfen. Es bleibt nur zu hoffen, dass es weiterhin genügend land- und forstwirtschaftliche Betriebe gibt, die ihre Aufgabe für Staat und Gesellschaft im ländlichen Raum wahrnehmen können. Dieses Anliegen geht alle an.