60 Jahre Arbeitskreis für Betriebsführung Köln-Aachener Bucht

Der Arbeitskreis für Betriebsführung Köln-Aachener Bucht feiert in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen. 1957 beschloss die damalige Landwirtschaftskammer Rheinland Arbeitskreise für Betriebsführung einzurichten. Der Arbeitskreis für Betriebsführung Köln-Aachener Bucht wurde als erster dieser Art im Rheinland gegründet und ist deshalb auch unter der Bezeichnung „AK I“ bekannt. Wilfried Beeker, aktueller Geschäftsführer des Arbeitskreises, beschreibt die Entwicklung der Mitgliedsbetriebe in den letzten 60 Jahren und stellt Schwerpunkte der Arbeit im Arbeitskreis vor

Das 60-jährige Jubiläum des AK I ist gleichzusetzen mit 60 Jahren Bemühungen um eine gewinnorientierte und nachhaltige Unternehmensführung. Günstige Voraussetzungen hierfür bieten seit jeher die überdurchschnittlichen Betriebsgrößen, die günstigen natürlichen Voraussetzungen der Köln-Aachener Bucht und die räumliche Nähe zu den Ballungszentren.

Betriebsgröße

Die 17 Gründungsmitglieder wirtschafteten 1957 auf Betrieben mit 70 bis 140 ha Ackerfläche, die durchschnittliche Betriebsgröße lag bei 98 ha. Das Flächenwachstum vollzog sich in der Mehrzahl der Arbeitskreisbetriebe vergleichsweise langsam. Der Kauf beschränkte sich in der Regel auf Reinvestitionen von Verkäufen für nicht landwirtschaftliche Zwecke. Die Pacht spielte in den ersten Jahren mangels Gelegenheit eine untergeordnete Rolle und bis in die Gegenwart erschweren die beschränkten Zupachtmöglichkeiten in Verbindung mit hohen Pachtforderungen das einzelbetriebliche Flächenwachstum. Der Anstieg der durchschnittlichen Betriebsgröße auf 120 ha in 1975 und 140 ha in 1980 ist im Wesentlichen auf die Neuaufnahme größerer Betriebe zurückzuführen. In den letzten Jahren führen Zupachtungen und einzelne Vollkooperationen zwischen Dritten zu steigenden Betriebsgrößen bis auf über 250 ha LF. Hierzu ist anzumerken, dass die tatsächlichen Bewirtschaftungseinheiten unter Berücksichtigung weiterer Zusammenarbeit bei über 300 ha LF liegen.

Abbildung 1: Durchschnittliche Betriebsgröße der AK I-Betriebe 1957 - 2016
Abbildung 1: Durchschnittliche Betriebsgröße der AK I-Betriebe 1957 - 2016

Flächennutzung

Bereits 1957 kann bei einer Flächennutzung von 2/3 Getreide, 1/4 Zuckerrüben, 5 % Kartoffeln und 5 % Feldfutter von einer rheinischen Fruchtfolge gesprochen werden.

Die Entwicklung der Fruchtfolgegestaltung ist stets ein Kompromiss zwischen den Erkenntnissen der Bodengesundheit und den Ergebnissen der Betriebszweigabrechnungen gewesen, unter Nutzung des technischen Fortschrittes u. a. durch die Entwicklung der Fungizide und der Möglichkeit der biologischen Nematodenbekämpfung durch Senf und Ölrettich. Das Ergebnis ist die dreifeldrige Fruchtfolge Rüben - Weizen - Gerste mit 30 % Zuckerrüben und 60 % Getreide, wobei die Wintergerste als schwächstes Glied in den 80er Jahren durch den Stoppelweizen und Anfang der 90er Jahre durch den Hybridroggen Konkurrenz bekommt. Durch die ausgeprägten Frühsommertrockenheiten der letzten Jahre und den damit verbundenen Ertragsvorteilen der Wintergerste gegenüber dem Stoppelweizen, aber auch durch den frühen Erntetermin, der gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen Zwischenfruchtanbau zur Nematodenbekämpfung und arbeitswirtschaftliche Vorteile bietet, sehen einige Fachleute gegenwärtig eine Renaissance der Wintergerste.

Die zum Zwecke der Einkommenssicherung geforderte Diversifizierung der Ackerbaubetriebe hat Ende der 80er Jahre im Zuge sinkender Getreidepreise zu einer Erweiterung der Fruchtfolge geführt, so dass im Augenblick nur noch auf jedem fünften Arbeitskreisbetrieb die rheinische Fruchtfolge mit 1/3 Zuckerrüben und 2/3 Getreide zu finden ist. Der Getreideanteil ohne Stilllegung ist daher in den letzten Jahren auf weniger als 50 % Flächenanteil gesunken. Nachfolgend einige Aspekte zu den aktuell in den Arbeitskreisbetrieben angebauten Kulturen sowie genutzten Produktionsverfahren:

  • Kartoffeln werden mittlerweile in 65 % der AK I-Betriebe auf 5 - 25 % der Fläche als Industrie- und Speiseware angebaut. Durch die Investition in Lagerung und den teilweisen Einstieg in die Direktvermarktung hat die Kartoffel in den meisten Betrieben einen festen Platz in der Fruchtfolge bekommen.
  • Ebenso hat der Winterraps in vielen Arbeitskreisbetrieben einen festen Platz in der Fruchtfolge. Mehr als 50 % der AK I-Betriebe bauen aktuell Winterraps an.
  • Durch den Anbau der Sonderkulturen Spargel, Erdbeeren und Obst wird die Marktnähe genutzt. Die Aufnahme dieser arbeits- und kapitalintensiven Kulturen mit einem hohen Vermarktungsaufwand hat sich mittlerweile in einigen Betrieben zum Betriebsschwerpunkt entwickelt und eine Reihe weiterer Betriebe hat durch den Anbau einzelner Sonderkulturen zumindest ein zusätzliches Standbein aufgebaut.
  • Der Feldgemüseanbau auf Vertragsbasis wird nach wie vor von einzelnen Betrieben durchgeführt. Die bescheidenen Einkommensbeiträge durch die starke Koppelung an die Getreidepreise und scharfen Konkurrenzdruck, das hohe Produktionsrisiko und der hohe Arbeitsbedarf in Spitzenzeiten stellen den langfristigen Fortbestand in Frage.
  • Ab 2000 setzt sich zunehmend - aus Gründen der Arbeitswirtschaft und des Erosionsschutzes - der pfluglose Ackerbau insbesondere auch bei Zuckerrüben in Mulchsaat durch.
  • Ab 2005 gewinnen zudem Nachwachsende Rohstoffe auch in der Köln-Aachener-Bucht an Bedeutung: Zuerst Raps für Bio-Diesel, in den letzten Jahren verstärkt Mais und Rüben für Biogasanlagen sowie Industrierüben.
Abbildung 2: Prozentuale Flächennutzung, AK I, 1957 - 2016
Abbildung 2: Prozentuale Flächennutzung, AK I, 1957 - 2016

Viehhaltung

Von den 17 Betrieben hielten im Gründungsjahr 12 Betriebe Milchkühe mit durchschnittlich 33 Milchkühen, zwei Betriebe mehr als 50 Mastschweine und nur drei Betriebe wirtschafteten viehlos. Im Zuge der angestrebten Betriebsvereinfachung und Technisierung wurde die Viehhaltung in vielen Betrieben vermindert und letztendlich oder völlig aufgegeben.

Technik- und Personaleinsatz

Die Betriebsvereinfachung und hierbei speziell arbeitswirtschaftliche Überlegungen bildeten aufgrund steigender Löhne und zunehmender Technisierung den Arbeitsschwerpunkt der ersten Jahre im AK I. Der Blick auf den Verlauf des Arbeitskräftebesatzes pro 100 ha zeigt, dass sich dieser von 1957 bis 1964 mehr als halbiert hat. Zahlreiche Innovationen wie die Entwicklung des chemischen Pflanzenschutzes oder des Monogermsaatgutes im Zuckerrübenanbau unterstützen im weiteren Zeitverlauf maßgeblich die Verminderung des Arbeitseinsatzes je Flächeneinheit. Der Arbeitsaufwand z. B für einen Hektar Getreide konnte beispielsweise von 120 h/ha in 1957 auf 35 - 50 h/ha in 1961 und bis heute auf 7 - 14 h/ha gesenkt werden.

Abbildung 3: Personal- und Schlepperbesatz, AK I, 1957 - 2016
Abbildung 3: Personal- und Schlepperbesatz, AK I, 1957 - 2016

Infolge der Substitution von Arbeit durch Kapital stieg aber der PS-Besatz zunächst bis ca. 1990 kontinuierlich auf fast 250 PS/100 ha an, sank dann aber wieder deutlich auf heute 170 PS/100 ha infolge technischer Neuerungen und größerer Bewirtschaftungseinheiten.

Die Lohnkosten verharrten zunächst bis ca. 1990 bei rund 350 €/ha, bevor sie dann deutlich bis auf ca. 180 €/ha fast halbiert werden konnten. Ab 2009 ist wieder ein leichter Anstieg der Lohnkosten festzustellen.

Die Maschinenkosten (Abschreibung und Unterhaltung) stiegen erwartungsgemäß mit der „Technischen Revolution“ bis Mitte der 1980er Jahre stark an, die nachfolgende Rationalisierung führte danach aber zu einer sinkenden Tendenz.

Abbildung 4: Lohn- und Maschinenkosten, AK I, 1957 - 2016
Abbildung 4: Lohn- und Maschinenkosten, AK I, 1957 - 2016

Der Zusammenhang steigender Schlagkraft der Technik in Verbindung mit einer Senkung des Arbeitskräftebesatzes hat bis heute Gültigkeit. Dies belegen die Zunahme des PS-Besatzes pro 100 ha bis zum Ende der 1980er Jahre und die anhaltende Reduzierung des Personalbesatzes auf derzeit unter 1,0 AK/100 ha ohne Vieh und Sonderkulturen. Bei der Steigerung der Flächenleistung wird die Nutzung sämtlicher technischer Möglichkeiten durch zu hohe Kosten eingeschränkt. Technische Weiterentwicklungen führen allerdings seit Anfang der neunziger Jahre zu einer Erhöhung der Schlagkraft z. B. der Pflanzenschutz- und Düngetechnik. Gezogene Spritzen und der Verzicht auf Pflegebereifung erhöhen die Nutzungsmöglichkeiten des Pflegeschleppers und verbessern somit die Möglichkeiten einer ausreichenden Schlepperauslastung.

Die Landtechnik forscht aktuell intensiv an autonom fahrenden Schleppern. Erste vollautonome Schlepper laufen bereits im Obst- und Weinbau und versprechen eine weitere deutliche Verbesserung der Schlepperauslastung.

Die weiteren Bemühungen sind auf eine Senkung der Kosten der Arbeitserledigung ausgerichtet. Spürbare Einsparungseffekte von 50 - 100 €/ha bei Technik und Personal sind durch die Erhöhung der Bewirtschaftungseinheit von 150 ha auf 300 ha erreichbar. Dies belegen die verschiedenen Kooperationen innerhalb des Arbeitskreises. In diesen Betrieben werden durch eine Effizienzsteigerung der betrieblichen Arbeitsabläufe und die deutliche Reduzierung des Maschinenbesatzes ein Personalbesatz von unter 1,0 AK/100 ha und eine Schlepperauslastung von mehr als 800 h/Jahr erreicht.

Pflanzenschutz und Düngung

Die Innovationen auf dem Sektor Pflanzenschutz mit der Einführung der selektiven Herbizide, der Insektizide und der anschließenden Entwicklung von Fungiziden, bieten zusammen mit den Züchtungsfortschritten das Fundament für die Ertragssteigerungen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Eine kritische Kosten-/Leistungsrechnung durch die Auswertung der Schlagkarteien ist dabei das ständige Kontrollinstrument für das wirtschaftlich vertretbare Intensitätsniveau.

Höhere Ertragspotentiale verlangen eine Anpassung der Nährstoffzufuhr, so dass der Aufwand für Mineraldünger in gleicher Weise bis Anfang der 80er Jahre gesteigert wurde. Erfahrungen von Praxis, Beratung und Forschung führten in der Folgezeit zu einer Optimierung, die sich seit Mitte der achtziger Jahre in sinkenden Grundnährstoffgaben und verminderter Stickstoffzufuhr zu Zuckerrüben niederschlägt. Seit dem Jahr 2000 steigen die Ausgaben für Düngung und Pflanzenschutz erneut an. Dies ist - neben den steigenden Mineraldüngerpreisen - auch auf die Integration intensiverer Kulturen in die Fruchtfolge zurückzuführen. Die Auswertungen der Schlagkarteien zeigen zudem, dass die Arbeitskreisbetriebe in den letzten Jahren verstärkt mineralische Dünger durch organische substituiert haben - vor allem zu Sommerungen.

Aktuell ist die neue Düngeverordnung in Kraft getreten. Diese schränkt den Einsatz von Stickstoff und Phosphat zeitlich und mengenmäßig ein. Als Reaktion hierauf muss der Einsatz der Düngemittel in den Arbeitskreisbetrieben noch effizienter werden. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang zudem, dass die Forderung nach einer nachhaltigen, ressourcenschonenden Landwirtschaft nicht nur von der Politik, sondern zunehmend auch aus der Gesellschaft heraus formuliert wird.

Neue technische Möglichkeiten werden die Arbeitskreisbetriebe zukünftig hierbei unterstützen. Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang das globale Positionierungssystems (GPS), die teilflächenspezifische Ertragserfassung und Nährstoffkartierung, sowie eine darauf aufbauende teilflächenspezifische Bestandsführung (Stichwort: N-Sensor). Im Arbeitskreis wurden diese Entwicklungen in den letzten Jahren sehr intensiv diskutiert oder sie haben sich teilweise sogar schon als Standard etabliert (z. B. die Parallelfahrsysteme). Unter dem Leitgedanken „Digitalisierung in der Landwirtschaft“ mit den Schlagwörtern Big Data, Landwirtschaft 4.0 und Precision Farming hält aktuell zudem die Vernetzung der einzelnen Technologien Einzug in die Landwirtschaft.

Abbildung 5: Kosten für Pflanzenschutz und Düngung, AK I, 1957 - 2016
Abbildung 5: Kosten für Pflanzenschutz und Düngung, AK I, 1957 - 2016

Erträge

Der Verlauf der Ertragskurven für Weizen und Zuckerrüben verdeutlicht eindrucksvoll die geleistete Arbeit von Praxis, Beratung, Industrie und Züchter.

Abbildung 6: Ertragsverlauf Weizen und Zuckerrüben, AK I, 1957 - 2016
Abbildung 6: Ertragsverlauf Weizen und Zuckerrüben, AK I, 1957 - 2016

Der Winterweizen entwickelte sich Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre fast zu einer Intensivkultur. Kein Wunder, die Weizenpreise erreichten ein Rekordniveau von rund 25 €/dt, was damals bei Erträgen von durchschnittlich 75 dt/ha im Arbeitskreis zu Deckungsbeiträgen von rund 1.250 € pro ha führte.

Die hohen Ertragssteigerungen bei Weizen hingen in dieser Zeit zweifellos zusammen mit dem züchterischen Fortschritt und der Entwicklung neuer Fungizide. Das hohe Preisniveau mobilisierte jedoch in den Arbeitskreisbetrieben ein besonderes Interesse und eine Innovations- und Experimentierfreudigkeit. Eine ausgefeilte Produktionstechnik war in dieser Zeit ein Schwerpunkt in den Arbeitskreisveranstaltungen und der Beratung.

Damit die Ackerbaubetriebe angesichts der drohenden Senkung der EU-Agrarförderung und dem beschlossenen Auslaufen der Zuckerrübenquote ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten können, sind im Getreidebau zukünftig hohe, stabile Erträge um 10 t/ha in Verbindung mit Vollkosten deckenden Preisen (Weizen mindestens 180 €/t) notwendig/erforderlich. Vor dem Hintergrund der zukünftig zu erwartenden extremeren Witterungsverhältnisse, stellen die genannten, notwendigen Erträge jedoch hohe Anforderungen an die Ackerbauern.

Die beschriebenen Entwicklungen beim Weizen dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zuckerrübe in den Arbeitskreisbetrieben - zumindest bis 2005 - immer die unumstrittene „Königin der Früchte“ blieb. Die produktionstechnischen Entwicklungen waren hingegen ab den 70er Jahren zunächst nicht mehr ganz so spektakulär, nachdem zuvor der vereinzelungslose Zuckerrübenanbau eine entscheidende Wende weg von der „Hackfrucht“ - im engeren Sinne - gebracht hatte. Die betriebswirtschaftlichen Schwerpunkte lagen insbesondere bei der Senkung der Arbeitszeit und der Erntekosten.

Inzwischen hat sich die Zuckerrübe unter arbeitswirtschaftlichen Aspekten eindeutig zu einer Spritzfrucht entwickelt, so dass der gesamte Arbeitsaufwand je ha Zuckerrübenfläche von der Saat bis zur Ernte ungefähr genauso hoch liegt wie bei Weizen (reine Produktion ohne Management ca. 6 Std./ha).

Gewinne

Die Entwicklung der Roheinkommen - Gewinn eines schulden- und pachtfrei gedachten Betriebes - von 1957 bis zur Gegenwart, fasst die vorab und nachfolgend für alle Bereiche beschriebenen Bemühungen um eine gewinnorientierte und nachhaltige Unternehmensführung zusammen.

  • Bis Mitte der 80er Jahre erlaubten Ertragssteigerungen und stabile Preise eine reale Einkommenssteigerung pro Flächeneinheit.
  • In der anschließenden Phase galt es, reale Einkommensverluste durch die Mobilisierung von Kostenreserven und die unternehmerische Neuorientierung zu verhindern.
  • Günstige Markteinflüsse führten 2012 und 2013 zu steigenden Roheinkommen. Durch einen dramatischen Rückgang der Erzeugerpreise stehen die Roheinkommen seit 2014 wieder deutlich unter Druck.
  • Bis zur Gegenwart ist es aber dank der aufgezeigten Anstrengungen möglich, durchschnittliche nominale Roheinkommen um 900 €/ha zu erzielen - d. h. allerdings nach Abzug von Pacht und Fremdkapital-Zinsen ein Gewinn nicht selten von nur 400,- €/ha.

Markt- und Politikvorgaben

Die Römischen Verträge als Startpunkt der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft gehen - wie die Gründung des AK I - auf das Jahr 1957 zurück. Die danach verfassten Marktordnungen bestimmen fortan die Preise in wichtigen Teilmärkten und haben daher eine große Bedeutung für die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Betriebe. Nachfolgend ein kurzer Überblick wichtiger Phasen der Gemeinsamen Agrarpolitik:

Die erste Phase der Gemeinsamen Agrarpolitik von 1962 - 1977 stellt die Weichen für eine Markt- und Preispolitik, die mehr an den Einkommenserfordernissen der Landwirtschaft als an den Markterfordernissen orientiert ist. Ergebnis dieser Politik ist die kräftige Steigerung der EG-Agrarproduktion bei gleichzeitigem Anstieg der Marktordnungsausgaben. Für den Zuckermarkt wird daraufhin eine Kontingentierung mit der Zuteilung von einzelbetrieblichen Lieferrechten eingeführt.

Die Reform der EU-Agrarpolitik bestimmt seit der Ernte 1993 das Geschehen. Die Konzeption basiert auf der Trennung von Preis- und Einkommenspolitik. Die Markt- und Preispolitik wird an den Markterfordernissen ausgerichtet, indem z. B. der Interventionspreis für Getreide von 34 - 36 DM/dt auf 23 DM/dt gesenkt wird. Gleichzeitig werden für Getreide, Ölsaaten und Leguminosen Flächenprämien und danach auch Tierprämien als Einkommensausgleich für die drastischen „verordneten“ Preissenkungen und eine anteilige Flächenstilllegung als Instrument zur Mengensteuerung in der gesamten EU eingeführt.

Abbildung 7: Entwicklung der Weizenpreise, AK I, 1957 - 2016
Abbildung 7: Entwicklung der Weizenpreise, AK I, 1957 - 2016

Die nächste Phase beginnt 2005 mit einer „Reform der Agrarreform“. Auslöser dafür sind u. a. die mehrfach gescheiterten WTO-Verhandlungen (WTO = World Trade Organisation) zur weltweiten Handelsliberalisierung, die einen Subventions- und Zollabbau vor allem bei Agrarprodukten zum Ziel hat und allenfalls produktionsneutrale Einkommensübertragungen zulassen soll.

Dies führt zu dem EU-Konzept der „Entkopplung“ der EU-Ausgleichszahlungen. Weg von der Produktion, hin zu betriebsbezogenen Zahlungsansprüchen der Bewirtschafter. Betriebsindividuell werden diese Zahlungsansprüche noch „aufgebessert“ durch die sogenannten TOP Up´s aus Tierprämien und Zuckerrüben. Modulation und Cross Compliance sind weitere belastende Elemente dieser Agrarreform.

Einen besonderen Einschnitt bedeutete für die AK I-Betriebe die Reform der Zuckermarktordnung im Jahr 2006 mit drastischen Preis- aber auch Quotensenkungen, die trotz der auch für Zuckerrübenflächen eingeführten TOP Up´s in vielen spezialisierten Betrieben zu Gewinneinbußen führte.

2015 folgte mit der erneuten Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) die vorerst letzte Phase. Die GAP-Reform beginnt mit der Neuzuweisung von Zahlungsansprüchen für alle im Jahr 2015 bewirtschafteten Flächen. Die bisherigen Direktzahlungen werden nun in verschiedene Prämien (Basis-, Greening-, Umverteilungs- und Junglandwirteprämie) aufgeteilt. Kernelement der Reform aber ist die Einführung des sogenannten Greenings, der Verknüpfung der Auszahlung einer Greeningprämie - neben der Basisprämie mit 70 % immerhin 30 % der gesamten Direktzahlungen - an die Erfüllung festgelegter Verpflichtungen. Durch das Greening soll die Landwirtschaft in der EU ökologischer und nachhaltiger werden, gleichzeitig fördert die Greening-Prämie aber auch den Bürokratismus und macht das Antragsverfahren noch komplizierter.

Mit der GAP-Reform wurde ferner das Ende der bisherigen Zuckermarktordnung zum 30. September 2017 beschlossen. Dies stellt für den Rübenanbau eine Zäsur dar. Durch das Quotenende und den Abbau der politischen Stützungen steht die Wettbewerbsfähigkeit des Zuckerrübenanbaus ab 2017 vor großen Herausforderungen.

Festkostenschraube und Vollkosten-Analyse

Von den Produktionskosten im spezialisierten Ackerbaubetrieb des Rheinlandes entfallen 45 bis 55 % auf Festkosten im Bereich Technik, Personal, Gebäude, Boden und Allgemeinaufwand. Das Bekenntnis zur Analyse der Festkosten und Mobilisierung der Festkostenreserven ist so alt wie der Arbeitskreis, so dass seit dem Gründungsjahr Jahresabschlüsse und ausgewählte Fragen zur Betriebsorganisation analysiert werden.

Hieraus entwickelte sich ab Ende der 1990er Jahre eine umfassende Vollkosten-Analyse im Einzelbetrieb. Die Erfassung des Produktionsprogrammes, mit Zuteilung sämtlicher Kosten und Faktoransprüche auf die einzelnen Produktionsverfahren, schafft die Basis für weitreichende Analyse- und Planungskalkulationen. Durch den weitgehenden Verzicht auf Standardisierungen und die Nutzung der Ergebnisse aus Schlagkartei und Buchführung wird im Arbeitskreis die bestmögliche Datengrundlage geschaffen.

Im Ergebnis werden eine Vielzahl entscheidungsrelevanter Kennzahlen für die Unternehmensberatung geliefert:

  • Gesamtbetriebliche Rentabilitätskennziffern, wie Direkt- und arbeitserledigungskosten freie Leistung, Gewinn, Unternehmergewinn und Grundrente, zur betriebswirtschaftlichen Standortbestimmung.
  • Kostenkalkulation der Produktionsverfahren bis zur Stufe der Direktkosten sowie Vollkosten bzw. der Stückkosten.
  • Produktions- und Gewinnschwelle der einzelnen Produktionsverfahren, zur Überprüfung des Produktionsprogrammes.
  • Kosten- und Stundenverwertung einzelner Arbeitsgänge zur Prüfung der Rentabilität der Eigenerledigung der Arbeit.
  • Arbeitszeitanalysen zur Dokumentation von Schwachstellen in der betrieblichen Arbeitsorganisation.

Großen zusätzlichen Nutzen bringt zudem der durchgeführte Horizontalvergleich. Auf dieser Basis können sich die erfahrenen Praktiker anhand der eigenen Betriebsergebnisse mit den Arbeitskreismitgliedern über die Kernfragen der Unternehmensführung austauschen. Zudem bekommt der Geschäftsführer wertvolle Vergleichsmaßstäbe, die für die Analyse und Ergebnisinterpretation im Einzelbetrieb unverzichtbar sind.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich nach nunmehr zwanzigjährigem Einsatz die Vollkosten-Analyse zu einem Kerninstrument der Unternehmensberatung im AK I entwickelt hat.

Ausblick

Der Rückblick auf 60 Jahre AK I zeigt, dass sich die Arbeitskreisbetriebe kontinuierlich neuen Rahmenbedingungen stellen mussten. Hieran wird sich auch zukünftig nichts ändern. So sind für die nächsten Jahre folgende Entwicklungen mit entsprechenden neuen Herausforderungen für die ackerbauorientierten AK I-Betriebe zu erwarten:

  • Die aktuelle EU-Agrarförderung ist bis 2020 ausgelegt. Vor dem Hintergrund eines begrenzt verfügbaren Budgets im EU-Haushalt und in Anbetracht des anstehenden Brexits, ist danach eine Reduzierung der EU-Agrarfördergelder nicht auszuschleißen. Ebenso ist eine stärkere Zweckbindung der Förderung - aktuell eingeleitet durch das Greening - sehr wahrscheinlich.
  • In der Agrarpolitik zeichnet sich ein weiterer Rückzug der EU aus dem Bereich der Marktordnung mit (hoffentlich) weniger Bürokratie ab. Im Zusammenhang mit der fortschreitenden Globalisierung ist zudem zu erwarten, dass die Volatilität der Erzeugerpreise weiter zunehmen wird.
  • Der Klimawandel führt zu instabileren Erträgen und größeren Produktions- und Einkommensrisiken.
  • Die gesamtgesellschaftliche Forderung nach einer nachhaltigen, ressourcenschonenden Landwirtschaft wird zunehmen. Hierdurch erhält der effiziente Einsatz von Düngung und Pflanzenschutz eine zusätzliche Dimension.

Als Konsequenz ergibt sich, dass sich die Ackerbaubetriebe zukünftig stärker in einem internationalen Wettbewerb - zum Teil über die EU-Grenzen hinaus - bewegen müssen.

Sich dem Wettbewerb stellen bedeutet, bei den Standardprodukte wie z. B. Zuckerrüben und Getreide, aber auch Kartoffeln und Gemüse sowie Energiepflanzen, die Produktionskosten mit allen Mitteln weiter zu senken, um im Sinne der „Kostenführerschaft“ dem Preisdiktat des Marktes bestehen zu können. Die dazu erforderliche Optimierung der Kosten der Arbeitserledigung geht einher mit weiter wachsenden Bewirtschaftungseinheiten durch Zupacht oder Kooperation.

Die natürlichen Standortvoraussetzungen (Boden, Klima) bleiben für Ackerbaubetriebe im Rheinland günstig, die strukturellen Voraussetzungen hingegen relativ ungünstig. Es bleibt allerdings abzuwarten, wie viel Fläche, zu welchen Konditionen durch den unweigerlich anhaltenden Strukturwandel freigesetzt wird.

Einige Betriebe werden Möglichkeiten finden, in „Marktnischen“ und durch Dienstleistungen an unseren verbrauchernahen Standorten auch „am Markt zu agieren“, um dadurch zukünftige Marktrisiken bei der Standardproduktion abzufedern. Die begrenzte Aufnahmefähigkeit dieser Nischen, die zeitliche Begrenzung eventueller Pioniergewinne und der hohe Arbeitszeitbedarf beschränken aber auch hier die Entwicklungsmöglichkeiten. Nichtsdestotrotz lässt sich seit einigen Jahren ein Trend zu Produkten aus der Region - auch von Seiten des Lebensmitteleinzelhandels - erkennen. Teilweise wird diese Entwicklung sogar unter der Devise „Regional ist das neue Bio“ kolportiert 

Die Aufnahme einer Viehhaltung in größeren reinen Ackerbaubetrieben in Ackerbauregionen wird vermutlich nicht erfolgen. Persönliche Vorbehalte in Verbindung mit alternativen Betätigungsmöglichkeiten, der hohe Kapitalbedarf, fehlendes Know how in diesem Bereich und Umweltauflagen beim Aufbau wettbewerbsfähiger Viehhaltungszweige grenzen derartige Möglichkeiten ein. Eher entwickelt sich ein 200-Hektar-Betrieb zu einem Zu- oder Nebenerwerbsbetrieb unter Ausschöpfung vieler bestehender Möglichkeiten der überbetrieblichen Zusammenarbeit.

Die Unternehmensführung muss noch konsequenter nach rationalen Kriterien erfolgen. Emotionale Vorbehalte gegen Kooperationen oder die Mobilisierung von Einkommensreserven z. B. durch die Umnutzung von Wirtschaftsgebäuden sind zukünftig ökonomisch noch weniger vertretbar als in der Vergangenheit.

Die grundlegenden betriebswirtschaftlichen Analyse- und Planungsmethoden werden bleiben. Ändern werden sich allerdings weiterhin die Beratungsinstrumente und Kommunikationstechniken zwischen Beratung und Praxis, aber auch die Instrumente und Verfahren der Unternehmensführung im Zuge der Weiterentwicklung der Informations- und Kommunikationstechniken, sowie neuer Möglichkeiten der Prozesssteuerung in der Produktion.

Der offene Erfahrungsaustausch der Mitglieder des Arbeitskreises auf Tagungen, Betriebsbesichtigungen und Exkursionen und die Einzelberatung des Gesamtunternehmens werden auch in Zukunft im Vordergrund der Arbeit des Arbeitskreises für Betriebsführung Köln-Aachener Bucht stehen.

Wenn sich auch die Rahmenbedingungen - wie immer in der Vergangenheit - ändern, das grundsätzliche Konzept des Arbeitskreises bzw. der Arbeitskreisberatung wird bleiben, solange die Mitglieder selbst davon überzeugt sind, dass die intensiven, internen und vertraulichen Gespräche über ihre klaren offengelegten betrieblichen Zahlen ein wesentlicher Antrieb für ihre positive Unternehmensentwicklung waren und sein werden !

Autor: Wilfried Beeker