Bautrends für Ställe mit automatischen Melksystemen

Winterschutz für das automatische MelksystemBild vergrößern
Abbildung 1: Winterschutz für das automatische Melksystem


Freier Kuhverkehr am AMSBild vergrößern
Abbildung 2: Hier herrscht freier Kuhverkehr, weil genügend Platz vorhanden ist


Dreireihiger BoxenlaufstallBild vergrößern
Abbildung 3: Dreireihiger Boxenlaufstall


Boxenlaufställe für Melkroboter unterscheiden sich grundsätzlich von Ställen mit konventionellen Melkständen, da bestimmte bauliche Rahmenbedingungen beachtet werden müssen, damit die Funktions- und Arbeitsabläufe in diesen System funktionieren. Willem Tel stellt die wichtigsten Bautrends für Ställe mit automatischen Melksystemen vor.

Wahl des richtigen Stallkonzeptes

Anders als bei konventionellen Melkständen steht bei AMS-Ställen der Melk- und Wartebereich in direkten Zusammenhang mit dem Fress- und Liegebereich und geht damit fließend ineinander über. Daher verlangt ein automatisches Melksystem (AMS) einen klar strukturierten Grundriss mit einer guten Aufteilung in die Arbeits- und Tierbereiche. Als Stallgrundriss werden aktuell viele Ställe mit 3 Liegeboxenreihen und einer Futterachse gebaut. Bei größeren Anlagen (zwei bis drei Melkroboter) wird dieses System verdoppelt, entweder als 6-Reiher oder als 2x3-Reiher. Ob dabei ein mittiger oder zwei Außen-Futtertische realisiert werden, hängt in den meisten Fällen von der persönlichen Neigung des Landwirtes ab. Kostengünstiger ist der mittige Futtertisch, da er von beiden Seiten benutzt werden kann und damit nur eine Futterachse darstellt. Dagegen kann bei zwei Außen-Futtertischen eine Herdentrennung in zwei Fütterungsgruppen erfolgen, es entstehen flexible Aufteilungsmöglichkeiten und auch das umständliche Treiben der Tiere über den Futtertisch bei einem Gruppenwechsel entfällt. Der Vorteil der 3- bzw. 6-reihigen Stallanlagen liegt im optimalen Verhältnis bebauter Fläche pro Tierplatz. Dies liegt beim 6-Reiher mit mittigem Futtertisch bei ca. 8-9 m² bebauter Fläche pro Tierplatz und bei einem 6-Reiher mit zwei Außenfuttertischen bei ca. 10-12 m² pro Tierplatz. Nachteilig wirkt sich bei diesen Stalltypen das etwas schlechtere Tier-Fressplatz-Verhältnis aus, das in der Regel bei 1,4:1 liegt. Der für die „besonders tiergerechte AFP-Förderung“ notwendige Wert von max. 1,2:1 wird durch die Planung zusätzlicher Übergänge in den Liegeboxenreihen erreicht, um somit die Tierzahl zu reduzieren.

Etwas mehr Tierkomfort bieten dagegen 2- bzw. 4-reihige Stallkonzepte, da hier ein Tier-Fressplatz-Verhältnis von mind. 1:1 entsteht und auch mehr Bewegungsfläche zur Verfügung steht. Allerdings erhöhen sich dadurch auch die Baukosten, da mit ca. 12-14 m² bebauter Fläche pro Tierplatz größere Stallanlagen bzw. größere Bauvolumen entstehen.

Offene Bauweise bevorzugt

Wenn möglich, werden Stallgebäude quer zur Hauptwindrichtung und freistehend errichtet. Um helle und luftige Ställe -also ein optimales Stallklima- zu schaffen, wird eine offene Bauweise mit Traufhöhen von 4,00 – 4,50 m empfohlen, die ein großes Luftvolumen von 50-70 m³ je Tier realisieren. Hierdurch kann die Aufheizung des Stalles durch Strahlungswärme reduziert und zusätzlich eine rasche Entlüftung (Luftfeuchtigkeit, Ammoniak usw.) gewährleistet werden. Curtainsysteme an den Traufseiten, die flexibel geöffnet werden können (z. B. durch Steuerung mit einer Wetterstation), sorgen für die notwendige Querlüftung des Stalles. An den Giebeldreiecken kann z.B. gelochtes Trapezblech oder Spaceboard montiert werden, damit zusätzlich Tageslicht in den Stall geholt wird. Besonders wichtig ist dies für die gut einsehbaren Sonderbereiche

Empfehlungen der Bauberatung zum Stallbau nutzen

Bei den Bauvorhaben mit automatischen Melksystemen legen die Landwirte besonderen Wert auf Tierkomfort und optimale Stallabläufe und setzen dazu viele aktuelle Empfehlungen der Bauberatung um. So wird empfohlen die Laufgänge am Fressgitter mit 3,50 - 4,00 m Breite anzulegen, und die Laufgänge zwischen den Boxenreihen mit 2,50 - 3,00 m Breite zu realisieren. Für die Übergänge zwischen den Boxenreihen und an den Giebelseiten werden 3 oder mehr Boxenbreiten (a´1,20m) geplant wenn in diesen Bereichen noch Tränken oder Bürsten installiert werden sollen; ansonsten reichen auch 2 Liegeboxenbreiten aus. Eine Bauweise ohne Hindernisse (Spaltenboden) kommt dem natürlichen Laufverhalten der Tiere entgegen und ist auch für die stufenlose Erreichbarkeit des Roboters wichtig. Zusätzlich ist damit die Entwässerung des Spülwassers der Roboter in den Güllekeller gesichert. Bei Ställen mit Schiebertechnik sollte vor den Robotern ein Spaltenbereich gebaut werden. Damit hier eine saubere Wartezone entsteht, sollten die Abwurfschächte auf der entgegengesetzten Seite des Stalles geplant werden.

Entscheidung für Hoch- oder Tiefbox

Ob die Entscheidung zu Spaltenboden oder zu planbefestigte Laufflächen hin tendiert, hängt vor allem von dem Liegeboxensystem ab, da sich z. B. Tiefboxen so besser mit planbefestigten Böden kombinieren lassen. Bei den Liegeboxen ist ein 1:1 Tier-Platz-Verhältnis optimal. Wichtig ist, dass bei den Liegeflächen viel Wert auf Tierkomfort gelegt wird. Werden Tiefboxen favorisiert, müssen entsprechend breite und befahrbare Laufgänge zur Befüllung gebaut werden. Bei Hochboxen sollten hochwertige Liegematten (Einzelmatten oder Bahnen Ware) eingesetzt werden, die z.B. über einen dicken Schaumstoffkern verfügen und eine langfristige Weichheit und Federung zusichern. Hierzu bietet das DLG Merkblatt 379 zusätzliche Informationen zum Bau von Liegeboxen an.

Welches AMS System ist das richtige?

Die Entscheidung für ein Melkkonzept hat auch direkten Einfluss auf die Wahl des Melkanlagenherstellers. Jeder Roboter kann im Konzept im „freien Kuhverkehr“ oder auch im gelenkten Kuhverkehr „Feed First System“ praktiziert werden; egal ob Einzelbox oder Mehrboxensystem. Beim „freien Kuhverkehr“ kann jedes Tier nach dem eigenen Rhythmus frei entscheiden, ob es fressen, liegen oder gemolken werden möchte. Dadurch sind keine baulichen Maßnahmen vorzuhalten. Beim „Feed First System“ haben die Tiere jederzeit Zugang zum Fressbereich, auf dem Rückweg zum Liegebereich werden sie selektiert und bei Melkanrecht in den Wartebereich des Melkroboters geleitet. Dafür müssen entsprechende Selektionstore und Absperrungen gebaut werden. In beiden Systemen ist ein großzügiger Wartebereich vor den Robotern einzuplanen, der mind. 5-6 m Breite betragen sollte, damit hier für die Tiere keine Stresssituation entsteht. Im Focus der Planung steht immer eine optimale Erreichbarkeit des Melkroboters für die Melkherde und eine nachfolgende Sortierung der Tiere in die notwendigen Sonder- und Selektionsbereiche. Dabei sollte 80% der gesunden Herde einen Kreislauf zwischen Melkroboter und Hauptstall bilden. Die restlichen 20% teilen sich gleichmäßig auf: 10% in den Selektionsbereich für Behandlungen, Tierarzt, Klauenpflege etc.; und die restlichen 10% in den Sonderbereich „Strohstall“ für Frischmelke und Kranke (z.B. Lahmheit). Für die Strohbereiche gilt als Faustzahl, dass für ca. 10 bis 15 % der Herde solche Bereiche mit ca. 8-10 m² pro Tier zur Verfügung stehen sollten. Für ein besseres Management ist es empfehlenswert, diese Strohbereiche in ein sogenanntes Zweiflächensystem mit Standfläche und Liegebereich aufzuteilen.

Gerade in Neubauten sind diese Sonderbereiche wichtig und notwendig, da sie zu einer Zeit- und Arbeitseinsparung führen, weil hier alle wesentlichen Aufgaben und Arbeiten an komprimierter Stelle in Stall stattfinden können.

Die Entscheidung für ein bestimmtes System (Hersteller AMS, Kuhverkehr, Hochbox oder Tiefbox, Spaltenboden oder planbefestigte Laufgänge, usw.) hängt von vielen Faktoren ab und auch von der Einstellung bzw. Philosophie des Landwirtes. Und nicht zuletzt steht und fällt jedes Stallkonzept mit dem „Management“ des Landwirtes.

Autor, Fotos: Willem Tel

Autor: Willem Tel