Regionale Vermarktung im Kreis Olpe
Jüngere Entwicklungen am Beispiel der "Bergweide Sauerland"

Die regionale Direktvermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse hat in den letzten Jahren eine ständig wachsende Bedeutung erlangt. Insbesondere am Rande der Ballungsgebiete und in Regionen, in denen neben Ackerbau und Viehhaltung auch Obst- und Gemüseerzeugung möglich ist, sind gute Voraussetzungen gegeben, Erzeugnisse des Hofes unmittelbar an Endverbraucher abzugeben und dadurch ein zusätzliches Einkommen zu erwirtschaften.
Im Kreis Olpe sind, objektiv betrachtet, die Möglichkeiten für eine erfolgreiche Direktvermarktung eher bescheiden. Benachbarte Ballungsgebiete fehlen, Obst- und Gemüsebau sind nur in Ausnahmefällen möglich. Trotzdem ist es einer Anzahl heimischer Landwirte gelungen, sich erfolgreich auf diesem schwierigen Gebiet zu betätigen. Das mag auch ein wenig an dem besonders guten Ruf liegen, den das Sauerland im Hinblick auf eine gesunde Umwelt genießt.
Die bedeutendsten Gründe für die Erfolge der Direktvermarkter sind jedoch die besonderen Qualitäten, die in den spezialisierten Betrieben erzeugt werden. Die Produktpalette reicht von Kartoffeln und Erdbeeren über Fisch bis hin zu Fleisch- und Käsespezialitäten. Wegen des hohen Gründlandanteils im Kreisgebiet stehen Erzeugnisse, die aus der Rindviehhaltung stammen, im Vordergrund. Gerade in diesem Bereich sind jedoch besonders hohe Anforderungen bezüglich der Lebensmittelhygiene bei der Käseherstellung und Fleischvorbereitung zu erfüllen, was zwangsläufig mit erheblichen Investitionen verbunden ist, aber auch hervorragende Produktqualitäten garantiert. Diese Aussage gilt auch für die landwirtschaftlichen Betriebe, die Spezialitäten aus der Haltung von Schweinen und Ziegen herstellen und regional vertreiben.
Eine besondere Stellung nimmt der Erzeugerzusammenschluss "Bergweide Sauerland" ein. In dieser Gemeinschaft haben sich 40 Landwirte, von denen 15 im Kreis Olpe ansässig sind, zusammengeschlossen, um Rindfleisch nach ganz speziellen Regeln zu erzeugen und gemeinschaftlich zu vermarkten. Alle für das Qualitätsfleischprogramm zugelassenen Rinder müssen aus Mitgliedsbetrieben stammen und bestimmten Fleischrassen angehören. Nur Färsen und Ochsen, die bekanntlich eine sehr feine Fleischfaser und hervorragende Marmorierung aufweisen, werden zugelassen. Die Tiere werden in einem EG-Schlachtbetrieb in Finnentrop geschlachtet. Das Fleisch wird nach entsprechender Reifezeit im vereinseigenen Kühl- und Zerlegeraum über eine Metzgerei in Attendorn und Gastronomiebetriebe der Region verkauft.
Alle Bergweide-Mitglieder haben sich verpflichtet, ihre Betriebe nach den Richtlinien der "Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau" (AgÖL) zu bewirtschaften und sich einer jährlichen Überprüfung durch ein unabhängiges Kontrollunternehmen zu unterziehen. Noch in diesem Sommer wird die Erweiterung der EG-Ökoverordnung um den Bereich der tierischen Erzeugung erwartet. Danach kann Bergweide-Fleisch als zertifiziertes Ökoprodukt auch über den bisherigen Rahmen hinaus vermarktet werden. Interessierte Verbraucher aus der Region haben insgesamt sehr gute Möglichkeiten, sich direkt ab Hof mit gängigen pflanzlichen Erzeugnissen und einer Vielzahl von Spezialitäten aus der heimischen Tierhaltung zu versorgen. Die anbietenden Landwirte verbürgen sich dabei für die hohe Qualität und tier- und umweltgerechte Erzeugung ihrer Produkte.