Nmin-Richtwerte für Sommerungen 2017

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Die eigene Nmin-Untersuchung gibt besonders in diesem Frühjahr Aufschluss über den Vorrat an mineralischem Bodenstickstoff unter der eigenen Fläche. Foto: Holger Fechner

Auch Richtwerte für die Sommerungen geben wichtige Hinweise für Düngung in diesem Jahr – Dokumentation und Aufbewahrung sind nach guter fachlicher Praxis erforderlich. Analog zu den Richtwerten für die Winterungen geben auch die für die Sommerungen ermittelten Werte wichtige Hinweise für die Stickstoffdüngung dieser Kulturen in diesem Jahr. Die Düngeverordnung schreibt für jeden Landwirt die Ermittlung des Nmin-Wertes zwingend vor, um dem Nachweis der guten fachlichen Praxis nachzukommen. Der ermittelte Wert muss außerdem sieben Jahre lang aufbewahrt werden. Mit den durch die Landwirtschaftskammer veröffentlichten Durchschnittswerten hat der Landwirt eine von drei Möglichkeiten, den Nachweis zu erbringen. Die hier abgebildeten Werte stellen Durchschnittswerte aller in diesem Jahr bei der LUFA NRW eingegangenen Bodenproben dar. Die Werte sind daher nur grobe Orientierungswerte für die Düngung und können im Einzelfall sogar von den tatsächlich vorhandenen Werten stark abweichen. Die eigene Nmin-Probe ist daher die genaueste Methode und liefert den besten Wert für die Herleitung des Stickstoffdüngebedarfs.

Eine dritte Methode ist die Datenbank www.nmin.de, wo sich jeder Landwirt durch Auswahl von Bodenart, Hauptkultur, Vorfrucht und Region einen repräsentativen Mittelwert seiner Kultur selber herleiten kann. In der Datenbank sind alle bis dato bei der LUFA NRW eingegangenen Nmin-Proben hinterlegt.

Hohe Nmin-Richtwerte

Wie bereits für die Winterungen, fallen die Nmin-Richtwerte für die Sommerungen relativ hoch aus in diesem Jahr. Schuld daran ist einerseits die Witterung während der Wintermonate sowie insbesondere diejenige während der vergangenen eineinhalb Monate. Insgesamt war es sehr trocken und die Bildung von Sickerwasser war kaum gegeben. Nennenswerte Wassermengen gab es lediglich Ende Februar. Der Monat März war nicht nur sehr trocken, sondern auch historisch warm. Die damit verbundene Bodenerwärmung hat für eine hohe Mineralisationsrate gesorgt. Vorhandene Erntereste aus dem letzten Jahr sowie die Biomasse der Winterzwischenfrüchte konnte bereits in großen Mengen zersetzt und mineralisiert werden. Hilfreich für die gute Mineralisierung ist auch die besonders gute Bodengare in diesem Jahr, da es landesweit oft Frost gab. Der neu gebildete mineralische Stickstoff wurde aufgrund der geringen Niederschläge überwiegend in den oberen Bodenschichten gehalten oder nur geringfügig verlagert.

Zuckerrüben sind in den meisten Fällen und Kartoffeln in einigen Fällen unter günstigen Aussaat- und Pflanzbedingungen in den Boden gekommen. Gleiches gilt für Sommergetreide. Die Aussaat für Mais steht unmittelbar bevor. Für die Kulturen Zuckerrübe und Winterweizen werden für die N-Düngebedarfsberechnung der Nmin-Gehalt aller drei Bodenschichten (0 bis 90 cm) zugrunde gelegt. Bei dem flacher wurzelnden und später gesäten Mais sowie der Dammkultur Kartoffeln und bei Hafer und Wintergerste werden hingegen nur der Nmin-Wert der beiden obersten Schichten (0 bis 60 cm) in Ansatz gebracht.

482 Proben ausgewertet

In diesem Jahr wurden die Ergebnisse von 482 Bodenproben für die Auswertung herangezogen. Wegen der geringen Sickerwasserbildung gibt es in diesem Jahr im Durchschnitt aller Flächen nur geringe Unterschiede zwischen Flächen, auf denen Zwischenfrüchte angebaut wurden und denen, wo solche Kulturen fehlten. Kaum Unterschiede gibt es auch in Abhängigkeit von der letzten angebauten Hauptkultur. In manchen Fällen ist hingegen die Datenmenge zu gering, um einen gesonderten Richtwert herausgeben zu können. Aus diesem Grund werden in diesem Jahr viele Werte zusammengefasst (Tabelle 1).

Tabelle 1: Nmin-Richtwerte NRW Sommerungen 2017 (Erhebungszeitraum 15.2 bis 15.3.2017

Bodenart Hauptfrucht Vorfrucht kg/ha Nmin Anzahl Proben
(n=)
0-30 cm 30-60 cm 60-90 cm Ʃ 0-90 cm

Rüben und
Sommerweizen
Ʃ 0-60 cm

Mais
Kartoffeln,
Sommergerste,
Hafer
alle Rüben alle 21 28 19 68 - 152
Sommergetreide alle 27 29 10 66 56 12
leicht
(S, lS, sU)
Mais alle 14 13 - - 27 63
Kartoffeln alle 30 19 - - 49 48
mittel / schwer
(ssL, lU, sL,uL, L, utL, tL, T)
Kartoffeln und
Mais
alle 22 21 - - 43 207

Für Zuckerrüben ergibt sich ein Richtwert von 68 kg/ha Nmin für Sommerweizen ein Wert von 66 kg/ha und für Sommergerste sowie Hafer ein Wert von 56 kg/ha auf allen Bodenarten und unabhängig von der Vorfrucht. Auf leichtem Boden wird zwischen Mais und Kartoffeln unterschieden. Für Mais ergibt sich ein anzurechnender Nmin-Wert von 27 kg/ha und für Kartoffeln ein Wert von 49 kg/ha. Auf den mittleren und schweren Bodenarten ergibt sich ein gemeinsamer Nmin-Richtwert für die beiden Kulturen Kartoffeln und Mais von 43 kg/ha. In einem Rechenbeispiel in Tabelle 2 für Mais ergibt sich auf einem mittleren Boden mit langjähriger organischer Düngung und normal entwickelter Zwischenfrucht nach Abzug des Nmin-Richtwertes insgesamt noch ein N-Düngebedarf von 67 kg/ha.

Tabelle 2: Beispiel für eine N-Düngebedarfsermittlung nach N-Sollwertschema der LWK NRW

N-Sollwert Mais (hohes N-Nachlieferungspotenzial) 180 kg/ha
Ermittelter Nmin-Gehalt 0-60 cm (Nmin-Richtwert) - 43 kg/ha
N-Nachlieferungspotenzial April/Mai: hoch - 50 kg/ha
N-Freisetzung aus der Zwischenfrucht: normal - 20 kg/ha
Berechneter N-Düngebedarf =  67 kg/ha
N-Versorgung aus der mineralischen Unterfußdüngung - 30 kg/ha
Verbleibender N-Düngebedarf = 37 kg/ha

Letztmalig N-Düngung nach alten Vorgaben

Die in diesem Frühjahr stattfindende Stickstoffdüngung wird letztmalig unter den Vorgaben der alten Düngeverordnung stattfinden. Es wird lediglich gefordert, dass der Nmin-Wert ermittelt und dokumentiert wird. Dieser Nmin-Wert soll Bestandteil der N-Düngebedarfsermittlung sein, deren Methodik nicht einheitlich vorgegeben ist. In NRW stellt das N-Sollwertschema der Landwirtschaftskammer NRW eine zuverlässige Ermittlungsmethode dar. Das System wurde in langjährigen Feldversuchen in den hiesigen Boden-Klima-Räumen entwickelt und immer wieder geeicht. Es existieren unterschiedliche Schemata für die jeweiligen Kulturen. Die neue Düngeverordnung ist bereits verabschiedet worden und tritt in Kürze in Kraft. Ab der kommenden Düngesaison muss die Herleitung des N-Düngebedarfs zwingend dokumentiert werden. Die Herleitung für die Ackerkulturen, die so genannte Düngebedarfsermittlung, muss dabei mit Hilfe eines einheitlich vorgegebenen Schemas vorgenommen werden. Dabei existiert ein kulturspezifischer, ertragsabhängiger N-Bedarfswert. Es gibt feste Vorgaben für Zu- sowie Abschläge – der ermittelte Nmin-Gehalt stellt dabei einer der Faktoren dar. Der ermittelte N-Düngebedarf in kg/ha, der schlagweise oder maximal pro Bewirtschaftungseinheit ermittelt werden muss, darf in der Summe der Düngemaßnahmen nicht übertroffen werden. Sowohl ermittelter Nmin-Wert als auch die N-Düngebedarfsberechnung müssen zukünftig dokumentiert und für den Zeitraum von sieben Jahren aufbewahrt werden. Die Landwirtschaftskammer wird noch über die Methodik der Düngebedarfsermittlung nach Vorgaben der neuen Düngeverordnung genau informieren.

Autor: Birgit Apel, Holger Fechner