Nmin-Richtwerte für Winterungen 2012
Nmin-Richtwerte aufbewahren
Wie in den Vorjahren veröffentlicht die Landwirtschaftskammer in der Ausgabe 11 der landwirtschaftlichen Fachzeitschriften die Nmin-Richtwerte für die Winterungen. Theo Remmersmann erläutert die Besonderheiten in diesem Jahr.
Nmin Richtwerte für Winterungen 2012
Die Düngeverordnung stellt an den Landwirt die Forderung, eine Düngebedarfsermittlung
für seine angebauten Kulturen durchzuführen. Dabei hat er die im
Boden vorhandenen Nährstoffe zu berücksichtigen. Für Stickstoff
kann der Landwirt dieser Anforderung auf drei Wegen gerecht werden. Er kann
von seinen Flächen eigene Nmin-Untersuchungen durchführen, die hier
zusammengestellten Richtwerte als Vergleichswerte für ähnliche Anbauverhältnisse
verwenden oder sich über
www.nmin.de für
seine Anbauverhältnisse abgeleitete Werte zusammenstellen. Die Werte sind
in jedem Fall mindestens 7 Jahre aufzubewahren und bei Kontrollen im Rahmen
der Düngeverordnung oder der Cross Compliance-Kontrollen vorzulegen.
In diesem Jahr wurden die Richtwerte aus insgesamt 742 Analyseergebnissen zusammengestellt, die zwischen dem 1. Februar und dem 9. März untersucht wurden. Sie gliedern sich nach den Haupteinflussfaktoren Bodenart und angebauter Kultur. Für die Auswertung wurden die Ergebnisse aller Nmin-Untersuchungen der LUFA NRW zugrunde gelegt. Im Einzelfall werden auch Proben von bereits gedüngten Flächen genommen. Mit statistischen Verfahren und anhand der durch die Düngung verursachten erhöhten Ammonium-Gehalte werden sie aus der Auswertung herausgenommen. Somit handelt es sich um die N-Mengen, die unter durchschnittlichen Gegebenheiten ohne bisherige Düngung zu erwarten sind. Es handelt sich nahezu ausschließlich um Stickstoff in der Nitratform, der den Pflanzen unmittelbar zur Verfügung steht.
| Boden | Kultur | Nmin kg/ha | Anzahl Proben |
|||
|---|---|---|---|---|---|---|
| ∑ 0-90 cm | 0-30 cm | 30-60 cm | 60-90 cm | |||
| leicht (S, lS) | Getreide | 25 | 12 | 8 | 5 | 93 |
| mittel (sU, ssL, sL, uL, L) |
Winterweizen | 42 | 15 | 13 | 14 | 319 |
| Gerste, Roggen, Triticale | 27 | 13 | 9 | 5 | 168 | |
| schwer (utL, tL, T) | Getreide | 58 | 25 | 16 | 17 | 48 |
| alle | Raps | 16 | 11 | 5 | 0 | 114 |
Etwas über dem Niveau der Vorjahre
Insgesamt sind 93 leichtere Böden in die Auswertung eingeflossen. Mit einem durchschnittlichen Nmin-Vorrat von 25 kg/ha liegen die Werte um 5 beziehungsweise 7 kg/ha über denen der beiden Vorjahre. Dabei unterscheiden sich die Werte vor allem in der obersten Beprobungsschicht. Wie aus dem letzten Nitratdienst hervorging, sind die Werte nach der starken Frostperiode in der Krume leicht angestiegen. Die Abweichungen sind nicht so stark, dass sich eine unterschiedliche Düngungsstrategie daraus ableiten ließe. Zudem sind die geschwächten Bestände für den Nitratstickstoff durchaus dankbar. Unterschiede zwischen den verschiedenen Getreidearten und nach verschiedenen Vorfrüchten ließen sich nicht erkennen. Lediglich nach Getreide scheinen die Werte tendenziell etwas niedriger auszufallen.
Geringe regionale Unterschiede
Auf den mittleren Böden sind unter Weizen durchschnittlich 42 kg/ha Stickstoff gefunden worden. Damit sind auch hier wenige Kilogramm mehr als in den Vorjahren vorhanden. Der Stickstoff ist mehr oder weniger gleichmäßig auf die drei Beprobungshorizonte verteilt. Größere Unterschiede in Abhängigkeit von der Vorfrucht ergeben sich nicht. Lediglich nach Gemüse zeigt sich immer wieder, dass weit höhere Werte zu finden sind, die ihren Schwerpunkt in der untersten Beprobungsschicht haben. Bei dieser Konstellation sollte immer mit eigenen Nmin-Untersuchungen gearbeitet werden, um eine zielgerichtete und kostenoptimierte Düngung des Getreides zu praktizieren.
In diesem Jahr zeigen sich zudem nur sehr begrenzte regionale Differenzierungen. Die tiefgründigen rheinischen Ackerbaustandorte, die sich in anderen Jahren mit deutlich höheren Werten zeigten, weisen aktuell nur wenige Kilogramm je Hektar mehr an Stickstoff auf. Unter den übrigen Wintergetreidearten sind noch 27 kg/ha auf den mittleren Böden vorhanden. Damit sind hier gegenüber den Vorjahren keine höheren Werte zu finden. Dieses dürfte sich in erster Linie auf eine etwas höhere N-Aufnahme im Herbst zurückführen lassen. Es ergeben sich keine Anhaltspunkte für Differenzierungen zwischen Gerste, Roggen und Triticale. Auf schweren Böden zu denen die schluffigen tonigen Lehme, die lehmigen Tone und der Ton gezählt werden, sind 48 Proben in die Auswertung geflossen. Es zeigt sich, dass mit 58 kg/ha unabhängig von der Getreideart hier doch erheblich höhere Reststickstoffgehalte aus dem Vorjahr verblieben sind. Gleichzeitig sind in der obersten Schicht die höchsten Werte zu finden.
Unter Raps sind ausgesprochen niedrige Nmin-Werte zu beobachten. Die Werte in der Tabelle gelten für alle Bodenarten. Der gut entwickelte Raps hat im Herbst den Boden fast vollständig entleert. Die abgefrorene Blattmasse der zurückgefrorenen Bestände wird sehr schnell wieder mineralisiert. Somit ist kein erhöhter Frühjahrsdüngebedarf angezeigt. Aussschlaggebend für einen zusätzlichen Düngebedarf ist die Stickstoffmenge, die vor Winter im Aufwuchs gebunden war. Je nach Saatdatum sind hohe Aufwüchse mit entsprechender Stickstoffspeicherung vorhanden gewesen.
Schwefelreserve nur auf guten Böden
Ein Teil der Nmin-Proben wird gleichzeitig auf S min, also den Schwefelgehalt in mineralischer Form untersucht. Da auch der sulfatische Schwefel mit dem Sickerwasser verlagert wird, ergeben sich häufig ähnliche Tendenzen, was sich in diesem Jahr allerdings nur bedingt so zeigt. Auf leichteren Böden sind die S min-Werte mit 11 kg/ha sehr niedrig. Hier zeigen sich auch nicht wie beim Stickstoff etwas höhere Werte in der obersten Schicht. Ein Düngebedarf dürfte somit in allen Wintergetreidearten auf diesen Standorten gegeben sein. Auf den besseren Böden wurden nach Blattfrucht (außer Mais) etwas höhere S-Reserven in der untersten Untersuchungsschicht festgestellt. Falls noch eigene Nmin-Untersuchungen geplant sind, kann die zusätzliche Analyse auf Schwefel damit durchaus interessant sein. Die genannten Nmin- und S min-Werte ergeben sich jeweils aus der Summe der drei untersuchten Schichten. Standorte, die eine geringe Durchwurzelungstiefe aufweisen, können nur mit dem Vorrat entsprechend dieser Tiefe in Ansatz gebracht werden.
Düngebedarf mit www.Nmin.de errechnen
Auf der Seite
www.Nmin.de lassen sich für
die verschiedensten Konstellationen aus Bodenart, Kultur, Vorfrucht und auch
regional Richtwerte ableiten. Diese können direkt in eine Düngebedarfsermittlung
nach den Beratungsempfehlungen der Landwirtschaftskammer NRW überführt
werden. Auch eigene Untersuchungsergebnisse können Verwendung finden.
Die Düngeempfehlung von allen gängigen Ackerkulturen einschließlich
Feldgemüse lassen sich so errechnen und ausdrucken. Dabei wird in Abhängigkeit
der Bodengehalte und Düngungshöhe eine Gabenaufteilung empfohlen.