Die Raupen des Eichenprozessionsspinners sind geschlüpft

Eichenprozessionsspinnerraupen
Raupen des Eichenprozessionsspinners. Foto: Dr. Marianne Klug

Vor drei Wochen hat in den Befallsgebieten in Nordrhein-Westfalen der Schlupf der Eichenprozessionsspinnerlarven begonnen. Inzwischen ist der Schlupf der Raupen abgeschlossen. Die Raupen durchlaufen sechs Larvenstadien (L1 bis L6). Ab dem dritten Larvenstadium (L3) entwickeln sie feine, 2-3 mm lange, haarähnliche Drüsensekrete, die das Nesselgift Thaumetopoein enthalten. Diese sogenannten „Gifthaare“ brechen bei Beunruhigung der Raupen ab und werden mit dem Wind verdriftet. Wenn sie auf die menschliche Haut gelangen, entsteht ein stark juckender Ausschlag. Beim Einatmen kommt es zu Reizungen der Atemwege. Bei Kontakt mit den Augen können Bindehautentzündungen entstehen. Ab dem dritten Larvenstadium beginnt die Bildung von Nestern an Astgabeln und am Stamm der befallenen Eichen. Die Giftwirkung der Haare bleibt auch in alten Gespinstnestern mit leeren Larvenhäuten noch sehr lange erhalten. Der Eichenprozessionsspinner bevorzugt als wärmeliebende Schmetterlingsart sonnig stehende Bäume an Waldrändern, in Alleen, Parks und Gärten. Daher besteht vor allem an Orten, an denen viele Menschen durch die Haare gefährdet werden können, die Notwendigkeit der Bekämpfung.

Die Bekämpfung der Raupen gilt in diesem Zusammenhang als Maßnahme des Gesundheitsschutzes. Dafür können entsprechende Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt werden. Zur Bekämpfung der jungen Raupen sind biologische Präparate mit dem Wirkstoff Bacillusthuringiensis geeignet. Ihr Wirkstoff ist ein Fraßgift, das ausschließlich auf Schmetterlingsraupen wirkt. Je jünger die Raupen sind (L1- L2, maximal L3), umso besser kann das Präparat wirken. Die Blätter der Eichen sollten bei der Behandlung mindestens die Größe von 2 €-Münzen erreicht haben, denn der Wirkstoff muss mit den behandelten Blättern von den Raupen aufgenommen werden. Da sich die jungen Raupen zum Fressen meist im oberen Kronenbereich aufhalten, muss vor allem der Mantelbereich der Kronen sorgfältig behandelt werden.

Die Behandlung kann - auch in Abhängigkeit von der Baumhöhe - mit gebläseunterstützten Bodengeräten, mit Spritzlanzen vom Hubsteiger aus oder mit Luftfahrzeugen durchgeführt werden. Grundsätzlich müssen Bekämpfungsmaßnahmen von sachkundigen Personen durchgeführt werden. Bei der Behandlung ist entsprechende Schutzkleidung erforderlich. Die Tagestemperatur sollte bei der Spritzung mindestens 15°C betragen. Kurz nach der Spritzung sollte es möglichst nicht regnen. Nach der Aufnahme des Wirkstoffs tritt innerhalb von 24 Stunden ein Fraßstopp ein. Nach drei bis fünf Tagen sterben die Raupen ab. Unter der Einwirkung des UV-Lichtes wird der Wirkstoff auf den Eichenblättern innerhalb weniger Tage abgebaut.